Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

1- Brandenburg unter den Kurfürsten aus dem Hause Hohenzollern 215 
die später nach Berlin verlegt wurde und hier unter dem Namen 
«Joachimsthalsches Gymnasium" noch fortbesteht. 
Johann Sigismund (1608—1619) vergrößerte das Kur 
fürstentum, das bei seinem Regierungsantritt 666 Quadratmeilen 
umfaßte, auf mehr als das Doppelte. Er erwarb zunächst, wie 
oben erwähnt worden ist, im jülichschen Erbfolgestreit das Herzogtum 
Kleve, sowie die Grafschaften Mark und Ravensberg, bei 
welcher Gelegenheit er mit seinem Hause zur reformierten Lehre 
übertrat. Sodann vereinigte er mit Brandenburg das Herzogtum 
Preußen. Hier regierte um jene Zeit der blödsinnige Albrecht 
Friedrich, der Sohn jenes letzten Hochmeisters des deutschen 
Ordens, Albrecht, der bei seinem Übertritt zur Reformation das 
Ordensland Preußen 1525 in ein weltliches Herzogtum verwandelt 
hatte. Seine Gemahlin war die älteste Schwester des verstorbenen 
Herzogs von Jülich, und ihre einzige Tochter Anna war vermählt 
wit Johann Sigismund. Somit hatte dieser wie auf Jülich, so 
uuch auf Preußen berechtigte Erbansprüche. Da Albrecht Friedrich 
indessen wegen seiner Geisteskrankheit unfähig zur Regierung war, 
hatte schon bei seinen Lebzeiten der König von Polen als Ober 
lehnsherr von Preußen die Regentschaft des Herzogtums dem 
Kurfürsten von Brandenburg übertragen und ihn förmlich damit 
belehnt. Im Jahre 1618 starb der unglückliche Albrecht, und nun 
wurde Preußen mit Brandenburg, allerdings noch unter polnischer 
Oberhoheit, vereinigt. Für die Hebung des Wohlstandes in seinem 
Lande war Johann Sigismund nach dem Vorbild seiner Vorfahren 
unermüdlich thätig. Insbesondere führte er nach dem Muster der Thurn- 
Taxischen Posten diese Einrichtung für seine sämtlichen Landesteile ein. 
Johann Sigismunds Sohn, Georg Wilhelm (1619—1640), 
war ein schwacher, wankelmütiger Fürst, unter dem das furchtbare 
Elend des Dreißigjährigen Krieges das Land schwer heimsuchte. Auf 
bcn Rat seines katholischen Ministers, Schwarzenberg, hielt er 
sich der Union fern; trotzdem hausten die Dänen wie die Kaiserlichen 
unter Wallenstein in seinen Marken. Später weigerte er sich an 
fänglich auch, mit Gustav Adolf ein Bündnis einzugehen, bis dieser 
'hu endlich dazu zwang, ihn mit einem bedeutenden Kriegsbeitrag 
ftl unterstützen. Als aber nach Gustav Adolfs Tode der Kurfürst 
sich im Prager Separatfrieden wiederum dem Kaiser anschloß, da 
wurde Brandenburg aufs neue der Schauplatz des Krieges wie nie 
Zuvor. Kaiserliche wie Schweden verwüsteten das Land in der 
ärgsten Weise, und es wäre sicherlich zu Grunde gegangen, wenn 
nicht auf diesen schwächsten der Hohenzollern zum Glück für Branden 
burg wie für ganz Deutschland einer der größten Fürsten aller 
Zeiten gefolgt wäre, der mit Recht in der Geschichte der große 
Kurfürst genannt wird.
	        
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