Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

208 III. Die neue Zeit. D. Der Dreißigjährige Krieg. 
Schweden: Vorpommern, einen Teil von Hinterpommern 
mit Rügen und Wismar, sowie die Bistümer Breme» 
und Verden nebst 5 Millionen Thaler Kriegskostenent 
schädigung; Brandenburg das übrige Hinterpommern, 
sowie die Bistümer Magdeburg, Halberstadt, Minden und 
Kamin; Sachsen die Lausitz; Bayern behielt die Ober- 
pfalz und die Kurwürde, mußte aber die Unterpfalz an den 
Sohn des vertriebenen Friedrich V. zurückgeben, für den die achte 
Kurwürde errichtet wurde. Die Schweiz und die Nieder 
lande wurden vom deutschen Reiche getrennt und als 
selbstä ndige Staaten Europas anerkannt. DerAugs- 
burger Religionsfriede wurde bestätigt, der geistliche 
Vorbehalt aufgehoben und die Evangeli scheu im Be 
sitz der eingezogenen Kirchengüter anerkannt; die Re 
formierten erhielten gleiche Rechte mit den Luthe 
ranern. Den deutschen Fürsten wurde das Recht eingeräumt, 
auf eigene Hand Krieg zu führen und Bündnisse zu 
schließen; alle Entschlüsse des Kaisers waren fortan von ihrer 
Zustimmung abhängig. 
7. Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges. 
In dem entsetzlichen Krieg, welcher Deutschland von 1618 bis 
1648 verheerte, und der wohl der furchtbarste war, den die Welt 
je gesehen hat, wurde Deutschlands Wohlstand auf Jahrhunderte 
hinaus vernichtet. Da die Heere aus Söldne rn bestanden, denen 
der Sold nur gering zugemessen oder auch aus Geldmangel der 
Fürsten ganz vorenthalten wurde, schwand immermehr die ursprüng 
liche Landsknechtssitte, und die Krieger suchten sich durch die Beute 
bezahlt zu machen, die sie Freund und Feind gleicherweise abnahmen- 
„Der Krieg muß den Krieg ernähren", das war der Grundsatz der 
damaligen Heerführer. Allerlei Gesindel strömte zu den Fahnen 
zusammen, um sich am Beutemachen zu bereichern; man wechselte 
oft mehrmals seinen Herrn und hielt sich meistens zu dem, der die 
glücklichsten Erfolge errang. Die Unterhaltung eines Heeres wurde 
dem Lande oder der Gegend auferlegt, wo dasselbe sich gerade be 
fand, es mochte Freundes oder Feindes Land sein. Besonders wurde 
das arme Bauernvolk oft seiner ganzen Habe beraubt. Der Feld 
herr schrieb unerschwingliche Kricgssteuern aus, und was dann dein 
armen Landmann noch übrig geblieben war, das nahmen die Sol 
daten und ihre Weiber und Buben. Am schlimmsten erging es den 
Gegenden, durch welche ein feindliches Heer zog. Alle Vorräte 
wurden geraubt und die Wohnungen in Trümmer gelegt. Die 
Kirchenschätze, die Orgeln, die Kirchenbilder wurden mitgenommen, 
ja sogar die Kirchenglocken blieben nicht verschont. Wenn ein
	        
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