Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

2- Deutschland v. Augsburger Religionssrieden b. z. Ausbruch d. Krieges. 197 
der Streit in hellen Flammen wieder ausbrechen würde. Zwar 
waren die beiden Kaiser Ferdinand I. und sein Sohn, Maxi 
milian II. (1564—76), milde und versöhnliche Herrscher; namentlich 
der letztere zeigte sich den Protestanten wohl geneigt. Aber auf dem 
Konzil zu Trient, das 1563 geschlossen wurde, waren für die 
katholische Kirche bestimmte Glaubensartikel aufgestellt und jedem 
eine Verfluchung (Anathema) Andersgläubiger hinzugefügt. Dadurch 
war der Riß zwischen den beiden Religionsparteien unheilbar ge 
worden. Die Jesuiten, welche immer mehr an Einfluß gewannen, 
sorgten dafür, daß der Haß gegen die Ketzer noch mehr geschürt 
wurde, und schon unter dem unfähigen Rudolf II. (1576 — 1612), 
dem Sohne und Nachfolger Maximilians, gelang es ihnen, offene 
Feindseligkeiten gegen die Protestanten herbeizuführen. Um so be 
dauerlicher war es, daß unter den Evangelischen selbst keine Einig 
keit herrschte. Lutheraner und Reformierte fuhren fort, sich in Wort 
und Schrift aufs heftigste zu bekämpfen; selbst innerhalb der luthe 
rischen Kirche bildeten sich zwei Parteien, eine strenge und eine mehr 
vermittelnde, die miteinander in Streit lagen, und die Eiferer für 
die „reine" Lehre Luthers brachten es endlich dahin, daß durch die 
„Konkordienformel" (1577) jede Abweichung von ihrer Ansicht als 
Unkirchlich verdammt wurde. 
Während somit der innere Hader die Protestanten zu keinem 
einmütigen Handeln kommen ließ, entwickelten die katholischen Fürsten 
unter dem Einfluß der Jesuiten eine desto größere Rührigkeit. Sie 
fingen an, die evangelische Lehre in ihren Ländern gewaltsam zu 
unterdrücken und die Ausbreitung derselben auch an anderen Orten 
zu verhindern. Der Erzbischof von Köln, Gerhard Truchseß, 
war Calvinist geworden und suchte die reformierte Lehre in seinem 
Erzbistum einzuführen; er wurde auf Grund des geistlichen Vor 
behalts im Augsburger Religionsfrieden abgesetzt. In der freien 
Reichsstadt Donauwörth waren die dort wohnenden wenigen 
Katholiken bei einer Prozession von den Protestanten geschmäht 
worden. Auf Betreiben der Jesuiten wurde vom Kaiser die Reichs 
acht über die Stadt verhängt und der Herzog Maximilian von 
Bayern mit der Ausführung beauftragt, obgleich er nicht Kreis- 
vberster war. Die Stadt wurde ihrer Reichsfreiheit beraubt und 
bie evangelische Lehre dort ausgerottet. 
Diese Vorgänge brachten endlich die Protestanten zum Bewußt- 
fein der Gefahr, in welcher sie sckwebten. Ein Teil derselben, meist 
zur reformierten Kirche gehörig (Kurpfalz, Württemberg, Baden und 
wehrere Reichsstädte), vereinigten sich in der Union 1608 unter 
Friedrich IV. von der Pfalz zur gemeinsamen Abwehr der Über 
griffe durch die Katholiken. Diesem Bunde gegenüber schlossen die
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.