Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

1. Die Jesuiten. 
193 
Bruder, Ferdinand, die österreichischen Länder, sowie Böh 
men und Ungarn erhielt und als Ferdinand I. (1S9V 1do4) 
zu seinem Nachfolger gewählt wurde. 
D. Per Dreißigjährige Krieg. 
1. Die Jesuiten. 
Nachdem durch die Reformation der Einfluß der katholischen 
Eirche bedeutend vermindert worden war, machte sie alle Anstren 
gung, um denselben wieder zu gewinnen. Kein Mittel wirkte für 
desen Zweck so förderlich als eine neue, aus dem Schoße der katho 
lischen Kirche hervorgegangene Einrichtung, der berüchtigte Jesuiten 
orden. Da das Arbeitsfeld dieser Verbindung vorzugsweise leider 
Deutschland gewesen ist und die religiösen Streitigkeiten nach dem 
Augsburger Religionsfrieden mit ihren furchtbaren Folgen vor allen 
Dingen dem unseligen Einfluß dieses Ordens zuzuschreiben sind, so 
ist er für Deutschlands Geschichte von der unheilvollsten Bedeutung 
geworden. 
Der Begründer des Jesuitenordens oder der „Gesellschaft Jesu" 
war ein spanischer Edelmann, Ignaz Loyola, der nach einer Ver 
wundung, die er im Kriege erhalten hatte, dem Kriegsdienst entsagte 
und sich dem geistlichen Stande zu widmen beschloß. Mit einigen 
anderen Gesinnungsgenossen gründete er den neuen Orden, der 
sw Jahre 1540 die Bestätigung des Papstes erhielt. Der höchste 
Zweck dieses Ordens war die Beförderung des Katholizismus: 
setzte die alten Rechte des Volkes und suchte besonders durch Vermehrung der 
wstümer und Einführung der Inquisition die Reformation daselbst zu unter 
drücken. Da entstand unter den Edelleuten des Landes die Verbindung der 
("bis zum Bettelsack getreuen") Geusen, an deren Spitze der Prinz Wilhelm 
u. Oranien und die Grafen Egmont und Hoorn standen. Der spanische 
Feldherr Herzog Alba rückte mit einem Heere ein und übte durch Verhaftungen, 
Gütereinziehungen und Hinrichtungen (auch Egmont und Hoorn mußten das 
-blutgerüst besteigen) eine unerhörte Gewalt aus. Wilhelm v. Oranien, der 
glücklich der Verfolgung entkommen war, brachte die nördlichen Provinzen 
äum Aufstande; diese vereinigten sich 1579 zur Utrechter Union und sagten 
Üch als Republik der General st aaten mit dem Prinzen von Oranien als 
an der Spitze von der spanischen Regierung los. Durch 
Gründung von Kolonien legten diese Staaten den Grund zu einer blühenden 
^iacht. Spanien dagegen sank vom Gipfel seiner Macht schnell herab. Die 
grausame Verfolgung der Ketzer durch die scheußlichen Jnquisitionsgerichte 
Krrüttete das Land, und obgleich Portugal, das sich im 12. Jahrhundert 
°on Kastiliens Oberhoheit losgemacht hatte, wieder mit Spanien vereinigt 
wurde, schwand der Wohlstand trotz der entdeckten Goldländer immer mehr, 
bis durch Vernichtung der 1588 gegen England ausgesandten „unüberwindlichen 
Flotte", der Armada, Spaniens Macht gänzlich gebrochen wurde. Auch Por 
tugal machte sich 1640 wieder selbständig. 
Böe, Deutsche Geschichte. 
13
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.