Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

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I. Die älteste Zeit. A. Urgeschichte. 
dienen zu können. Das Schwert ist späteren Ursprungs; es war 
gerade, zweischneidig, mit kurzem Griff und wurde an einer Kette 
oder einem Riemen (Wehrgehänge) an der rechten Seite getragen. 
Schleuder und Bogen führten nur die Leichtbewaffneten. Panzer 
und Helm zu gebrauchen, war eine Ausnahme; sie wurden an-! 
fänglich nur getragen, wenn sie erbeutet waren. Die gewöhnliche 
Bekleidung in der Schlacht war das Tierfell oder ein kurzer Kriegs-! 
mantel. Als gebräuchlichste Kopfbedeckung galt die Kopfhaut eines 
erlegten wilden Tieres, die dann dem Träger ein ungeheuerliches 
Aussehen verlieh. 
Wehrpflichtig waren bei den alten Germanen alle Freie, die 
in ihrer Gesamtheit das eigentliche Volk bildeten, so daß Volk und 
Heer fast gleichbedeutend waren. Darum bildeten auch die Volks-! 
abteilungen diejenigen des Heeres; es war gegliedert nach Stämmen, 
Gauen und Gemeinden, die von den Stammesoberhäuptern und 
Gaufürsten geführt wurden. Wenn ein König über einzelne 
Stämme herrschte, so war dieser zugleich der oberste Anführer im 
Kriege; war ein solcher nicht vorhanden, so wählte man für die 
Dauer des Krieges einen Herzog, der aus den Tapfersten auser-! 
lesen und zum Zeichen seiner Würde „auf den Schild" gehoben 
wurde. Oft unternahmen einzelne Fürsten und angesehene Männer 
Kriegszüge auf eigene Hand, indem sie gegen das Versprechen von 
Beute und Geschenken, gegen „rotes Gold", eine kampfeslustige Schar 
um sich sammelten. In den meisten Fällen blieben diese Krieger 
nach beendigtem Zug um ihren Führer zusammen, und so entstand 
nach und nach die Einrichtung des Gefolges, mit dem später die 
Fürsten sich umgaben. Wenn das ganze Volk in den Krieg zog, 
so mußte jeder für seine Waffen, sowie für seine Verpflegung sorgen. 
Darum begleitete das Heer der Germanen stets eine Anzahl von 
Herden und Saumtieren. Auch eine Menge Wagen führten sie für 
die Vorräte mit sich, welche gleichzeitig zur Beförderung der Frauen 
und Kinder, sowie dazu dienten, in der Nacht zu einer Wagenburg 
vereinigt zu werden und das Lager einzuschließen. Die Hauptmasse 
des Heeres bestand aus Fußvolk; nur bei einzelnen Stämmen war 
die Reiterei sehr zahlreich. Zm allgemeinen kämpften nur die Vor 
nehmen zu Pferde. Die Schlachtordnung war die keilförmige 
(der „Eberrüssel"), indem die beiden stärksten und tapfersten 
Krieger an die Spitze gestellt wurden, dahinter drei oder vier an 
dere und so fort, bis die letzten Reihen sich immer breiter ausdehnten. 
Meistens kämpften drei solcher Keile nebeneinander. Die einzelnen 
Verwandten fochten Seite an Seite; fiel einer, so hatten die andern ■ 
die Pflicht, seinen Tod zu rächen. Mit betäubendem Kriegsgesang 
ging es in den Kampf. Flucht war schimpflich, und die Zurück 
lassung des Schildes machte ehrlos. Ebenfalls galt für entehrt sein
	        

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