Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

B. Zustände auf dem kirchlichen Gebiete. 
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raunen Kutte (Mönchskleid) mit einem weißen Strick um den 
<,eib, djx Dominikaner an weißer Kleidung. Die Mönche dieser 
«n hielten sich streng an das Gelübde der Keuschheit, Enthalt- 
mmkeit und Armut; sie durften außer dem Kloster kein festes Eigen- 
u« besitzen und mußten sich den Unterhalt durch Einsammeln milder 
nden erwerben. Dabei aber lebten sie nicht bloß in strenger 
u s u r (dem abgeschlossenen Raum des Klosters), sondern mengten 
üch besonders unter das Volk, um geistliche Dienste zu verrichten, 
ä» predigen, Beichte entgegenzunehmen u. s. w. Beide Orden wurden 
der Zeit außerordentlich brauchbare und nützliche Werkzeuge 
( Cj römischen Priesterfürsten; sie wirkten gegen die Ketzer, sammel- 
en für ihr Oberhaupt reiche Spenden ein und übten einen bedeu- 
enden Einfluß über den großen Hansen aus. Aber auch diese 
^rden konnten das Klosterwesen nicht wieder auf die Höhe früherer 
Jahrhunderte bringen, und ihr Einfluß auf das Volk verminderte 
Nch namentlich immer mehr, als Spaltungen innerhalb der einzelnen 
^rden schroff zu Tage traten und „Mönchsgezänk" immer häufiger 
nrde. Die Mönche der Bettelorden waren zum Teil einfältige, 
"gelehrte Leute und schwer in Zucht und Regel zu erhalten. Kein 
Wunder daher, daß sie den Unwillen der Besseren und Freieren 
legten und ihre Schwächen der Kirche zur Last gelegt wurden. 
Auch das Rosenkranzbeten (das Hersagen einer Reihe lateinischer 
Gebete nach der Zahl der auf einer Schnur aufgereihten Holzkugeln, 
Rosenkranz), sowie Fasten zu bestimmten Zeiten und Wall- 
Mrten nach heiligen Orten wurde als höchst verdienstlich angesehen. 
^ °ch thörichter war der Wahn, durch Selbstpeinigung sich Gott 
"genehm machen zu können. Lange hatten bloß die Mönche in 
en Klöstern sich zur Buße für übertretene Ordensgelübde gegeißelt; 
aid aber wurden die Selbstkasteiungen allgemein; selbst Kaiser und 
vnige machten keine Ausnahme. Man glaubte auf jede Weise das 
Aks - "^öten und den fleischlichen Sinn unterjochen zu müssen, 
s ,m Jahre 1350 der „Schwarze Tod" Deutschland durchzog, den 
"ls eine besondere Strafe Gottes ansah, da meinte man, den 
g tttichen Zorn durch besonders harte Selbstpeinigungen abwenden 
» können, und es entstanden eigene Verbindungen, die Geißel- 
ruder oder Flagellanten, welche scharenweise Städte und 
Dörfer durchzogen und sich unter Klagegesängen mit ledernen 
lernen den Rücken blutig geißelten. Rach und nach nahm diese 
nfitte so überhand, daß selbst der Papst sich genötigt sah, dagegen 
"gUlchreiten und die Geißelbrüder zu bestrafen. 
^ Jnbcre Mißbräuche jedoch führte die Kirche selbst wieder ein. 
in den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche jemand 
' ^ unwürdig betragen hatte, wurde er zur Strafe aus der Kirchen- 
g mernschaft ausgeschlossen, und erst nach längerer Buße konnte er
	        

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