Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

A. Entdeckungen und Erfindungen am Schluß des Mittelalters. 159 
auch diese in Holz auszuschneiden. Allein auf größere Bücher war 
rseie Art zu drucken nicht anzuwenden; denn man hätte für jedes 
Blatt eines Buches eine besondere Form, die zu nichts anderem zu 
gebrauchen gewesen wäre, haben müssen. Da kam Johann Guten- 
berg oder eigentlich Johann Gensfleisch zum Gutenberg 
lgeb. 1401 zu Mainz) 1440 in Straß bürg auf den Gedanken, 
rse Buchstaben einzeln und in gleicher Größe an der Spitze hölzerner 
Stäbchen auszuschneiden, diese zu Wörtern zusammen zu setzen, abzu 
drucken und dann wieder auseinander zu nehmen, um sie zu jedem 
andern Druck wieder gebrauchen zu können. Der erste Versuch gc- 
!""g zwar nicht nach Wunsch, weil die hölzernen Lettern leicht zer 
sprangen; doch hoffte Gutenberg die Sache bedeutend zu bessern, 
^enn er die Buchstaben aus Blei, Zinn oder Eisen machte. Er 
von Straßburg nach Mainz und trat hier mit dem reichen 
'aldschmied Johann Faust oder Fust in Verbindung, der ihn 
Wen die Hälfte des zu erwartenden Gewinnes mit Geld unterstützte, 
^er noch immer war das Material für die Lettern nicht passend; 
., Ie Buchstaben aus Blei oder Zinn waren zu weich und nutzten 
M schnell ab; die aus Eisen dagegen waren zu scharf an den 
^ändern und durchschnitten das Papier. Da ward Peter Schöffer 
aus Gernsheim, der bis dahin als Abschreiber in Paris 
gAebt hatte, in den Bund aufgenommen. Dieser erfand eine 
Zusammensetzung von verschiedenen Metallen, welche weder zu weich, 
??ch zu hart war, und gab zugleich eine sinnreiche Vorrichtung an, 
^ Lettern zu verfertigen. Er schnitt die Buchstaben erhaben in 
^tahl, schlug diese in einem weicheren Metall ab und goß dann in 
°'e dadurch erhaltenen Formen die erwähnte Mischung. Dadurch 
gelang es, viele Tausende von Buchstaben in gleicher Bildung, Größe 
Dicke binnen kurzer Zeit zustande zu bringen. Auch erfand 
schöffer eine bessere Druckerschwärze; statt des Lampenrußes, womit 
^utenberg gedruckt hatte, wandte er eine Mischung von Kienruß und 
"inöl an. 
Die drei Männer hatten schon mehrere kleine Bücher gedruckt, 
sie sich an den Druck eines größeren Werkes, einer Bibel, machten. 
Leider aber hatte Gutenberg, dem doch das Hauptverdienst der Er- 
llndung gebührt, nicht die Freude, das Werk mit vollenden zu helfen; 
•l enn Johann Faust, der ein sehr eigennütziger Mensch war, nahm 
>hm 1455 für das geliehene Geld die Lettern und die Druckerpresse 
?eg und schloß ihn vollständig von dem Unternehmen aus. Darauf 
'^te Faust in Verbindung mit Peter Schöffer das Geschäft fort, 
wahrscheinlich vollendeten beide schon im Jahre 1456 den ersten 
Abdruck der lateinischen Bibel in zwei Foliobänden und im folgen- 
. n Jahre den Druck der Psalmen. Um 1462 reiste Faust mit 
seinen Drucksachen nach Paris, um sie daselbst zu verkaufen. Dies
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.