Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

150 II- Das Mittelalter. F. Das Deutsche Reich zu Ende d. Mittelalters. 
die Slaven und in dem Bestreben, die wendische Bevölkerung für 
das Christentum zu gewinnen, deutsche Sprache, Sitte und Bildung 
unter derselben zu verbreiten. So wurde die Mark ein wirk 
lich deutsches Land und Albrecht der Schöpfer eines 
neuen Staates. Albrechts Nachfolger, Otto I., Otto II. und 
Albrecht II., vergrößerten das brandenburgische Gebiet, so daß das 
selbe die Altmark, Mittelmark, Priegnitz, Uckermark, 
Neumark, Pommerellen und die Ober- und Nieder 
lausitz umfaßte und sich von dem linken Ufer der Elbe bis zur 
Oder, von der Ostsee bis nach Böhmen erstreckte. Aber sie sorgten 
ebensosehr für das innere Wohl des Landes durch Erbauung von 
Städten und Dörfern, durch Verwandlung von Wäldern und öden 
Heidestrecken in fruchtbares Ackerland und durch Aufrechterhaltung 
des Landfriedens und Sicherung von Handel und Gewerbe. 
Die beiden folgenden Markgrafen,'Johann I. und Otto III., 
die das Land gemeinsam regierten, kämpften mit Erfolg gegen die 
Bischöfe von Magdeburg und Halberstadt, die sich über 
Gebietsteile Brandenburgs Hoheitsrechte anmaßten. Sodann zwangen 
sie die Herzöge von Pommern, die brandenburgische Lehnsober 
hoheit anzuerkennen, sowie die Uckermark und Stargard abzu 
treten. Bei all dieser Thätigkeit nach außen versäumten sic aber 
auch nicht, im Sinne ihrer Vorfahren für das Aufblühen der Städte, 
für Ackerbau, Gewerbfleiß und Handel Sorge zu tragen. 
Otto IV. „mit dem Pfeile" (so genannt nach einem Pfeil, 
durch den er bei einer Belagerung verwundet worden war, und 
dessen spitze er mehrere Jahre lang im Kopfe herumtrug) und 
Waldemar IV, sein Neffe, waren nicht weniger kriegerisch als ihre 
Vorfahren. Namentlich der letztere hatte unaufhörlich Fehden zu 
bestehen. Die Fürsten von Mecklenburg, die Herzöge von 
Pommern und Polen, die Landgrafen von Thüringen, selbst 
der Erzbischof von Magdeburg und der König von Dänemark 
mußten, als sie ihn zu bezwingen versuchten, die Schwere seines 
Armes fühlen und ihre hochfahrenden Pläne aufgeben. Mit seinem 
Neffen, Heinrich dem Jüngeren, erlosch das Haus 1320. 
Jetzt zog Kaiser Ludwig der Bayer die Mark als erledigtes 
Reichslehen ein und verlieh sie seinem Sohne, dein noch unmündigen 
Ludwig, 1324. Unter viel Not und Trübsal hat das bayerische 
Haus über Brandenburg regiert. Durch den Streit des Kaisers 
kam Bann und Interdikt und als Folge desselben ein vom Papste 
angestifteter fürchterlicher Einfall der Polen und der Litauer 
über die Mark. Im Innern lösten sich die Bande der Ordnung; 
die Ritterschaft ward übermütig und räuberisch; die Städte erhoben 
sich zur Selbständigkeit. Als Karl IV. Ludwig den Bayer in seinen 
letzten Regierungsjahren bekriegte und ihm in Brandenburg alle
	        

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