Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

2. Die alten Germanen. 
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war auch von einem eigentlichen Handel bei den alten Germanen 
noch nicht die Rede; höchstens erwarben sie sich Schmucksachen, 
Pelze u. dergl. von den römischen Kaufleuten, die über die Grenze 
zu ihnen kamen. Erst allmählich lernten sie die Bedeutung der 
edlen Metalle kennen, und bald erwarben sie sich eine gewisse Ge 
schicklichkeit in der Anfertigung von allerlei Geräten und Schmuck 
sachen, namentlich von Hals- und Armringen, die nach und nach 
Tauschmittel beim Kauf wurden und so als der Anfang des deutschen 
Geldes anzusehen sind. 
Den freien Männern geziemte allein die Beschäftigung mit 
Krieg und Jagd. Das Jahrhunderte lang dauernde Ringen mit 
den wilden Waldtieren, sowie mit den feindlichen Nachbarn hatte 
in den germanischen Wäldern ein „kampfesfreudiges Geschlecht", 
Männer mit „stählerner Brust" großgezogen. Waren sie nicht 
im Kriege oder auf der Jagd, so pflegten sie nach den langen 
Anstrengungen und Entbehrungen im Hause der Ruhe. Daraus 
entstand vielfach der Vorwurf, die alten Germanen hätten einen 
großen Teil ihrer Feit müßig „auf der Bärenhaut" zugebracht. 
Doch war es keine" thatenlose Ruhe, der sie sich hingaben. Sie 
liebten fröhliche Gelage, bei denen Feldfrüchte, geronnene Milch, 
Wildbret und vor allem das beliebte Schweinefleisch das Essen 
bildete. Ihr Getränk war ein aus Gerste oder Weizen ge 
brauter Trank, der Ursprung unseres Bieres, sowie der aus Honig 
bereitete Met. Mit Vorliebe erzählte man sich bei diesen Gelagen 
die Heldenthaten der Vorväter, und nicht wenige der alten Helden 
sagen mögen auf diese Weise entstanden und im Volke erhalten 
worden sein. Nicht selten ging der Kampfesmut, vom Trunk und von 
den Heldengesängen erhitzt, in einen wilden Tumult über. Oft auch 
artete die Liebe" der alten Germanen zum Würfelspiel bei diesen 
Gelagen in Leidenschaft aus, so daß sie nicht allein Hab und Gut, 
sondern oft auch Weib und Kind, ja die eigene Freiheit einsetzten. 
Andererseits wurden beim Gastmahl fast alle wichtigen Angelegen 
heiten verhandelt. Hier wurden Aussöhnungen veranstaltet und 
Ehebündnisse geschlossen; hier wurden Beschlüsse über Krieg und 
Frieden gefaßt; hier zeigte sich die berühmte Gastfreundschaft der 
alten Deutschen in ihrem vollsten Glanze; hier endlich wurde ihr 
liebstes Schauspiel aufgeführt, indem nackte Jünglinge zwischen den 
Spitzen und Schneiden aufgerichteter Schwerter tanzten. 
Die Frau genoß bei den alten Germanen eine hohe Verehrung, 
und dies läßt daraus schließen, daß sie nicht solch barbarischen 
Sinn besaßen, wie die Römer annahmen. Vor allem galt ihnen 
Frauentugend und keuscher Sinn als etwas Hohes und Heiliges. 
Unter die schwersten Verbrechen rechneten sie Frauenraub und ge 
waltsame Verletzung des Weibes. Ein treuloses Weib ward im
	        
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