Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

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I. Die älteste Zeit. A. Urgeschichte. 
Gewandtheit und Geschicklichkeit in körperlichen Übungen. Sie be- ; 
stiegen das Pferd ohne Steigbügel; im Kampfe faßten die fugend- 1 
lichen Krieger die Mähne eines Pferdes und sprangen in rasendem 
Lauf nebenher, um mit dem Reiter vereint den Feind anzugreifen. : 
Die Haupttracht war ein kurzes, leinenes Gewand, das Hals, ■ 
Arme und Unterschenkel bloß ließ; Männer pflegten darüber noch 
ein Tierfell zu tragen, das von einer Spange oder auch von einem 
starken Dorn zusammengehalten wurde. Einzelne Stämme trugen 
auch eine leinene Bekleidung der Unterschenkel. Eherne oder goldene 
Ringe schmückten Arme und Beine. Häufig war das Tierfell das 
einzige Gewand des Mannes; die Kopfhaut des Tieres bildete dann j 
für sein Haupt Schirm und Schmuck. Wenn die Hörner des Auer 
ochsen oder des Elen von dem Fell nicht abgelöst waren, so bildeten ; 
sie einen Kopfschmuck, der namentlich mit Vorliebe in der Schlacht 
getragen wurde. Den Frauen galt als vornehmster Schmuck ein ; 
weißes Gewand, das nach Aussage her römischen Schriftsteller die 
Germaninnen mit besonderer Kunst zu weben verstanden. Doch 
umsäumten sie es gern mit bunten, womöglich mit purpurnen 
Streifen. Ebenso zierten die Männer ihr Fellgewand oft mit ge 
flecktem Pelzwerk. 
Die Wohnungen lagen abgesondert und zerstreut. Zusammen 
hängende Orte oder gar Städte kannten die alten Germanen nicht; 
meistens umgaben und trennten große Wälder die einzelnen Nieder 
lassungen. Wo ein Quell, eine Flur, ein Gehölz einlud, da siedelten 
sie sich an und bauten ihr Gehöft. Die Gehöfte, von einem 
Pfahlzaun umgeben, waren zunächst aus einem Gerüst gebildet, das 
aus senkrecht und wagerecht fest ineinander gefügten Eichenstämmen 
bestand, und dessen Zwischenräume mit Rutengeflecht ausgekleidet, 
mit Lehm beworfen und oft mit einer glänzenden Erdmasse über 
tüncht waren. Das Dach war aus dichten Lagen getrockneten 
Schilfes hergestellt. Oft umgab eine offene Vorhalle die Vorder 
seite des Wohnhauses. Der Raum im Innern, die Halle, barg 
in der Mitte den Herd und daneben den Hochsitz für den Hausherrn 
und die Gäste, während an den Wänden roh gezimmerte Bänke 
sich hinzogen, vor denen eben solche Tische aufgestellt waren. Das 
Lager wurde aus gegerbten Tierfellen bereitet. Der Rauch vom 
Herd entwich durch eine verschließbare Öffnung im Dache, das 
Wind äuge. 
Von seiner Wohnung aus bebaute der alte Germane das 
Land. Doch war die Bestellung der Äcker, sowie die Pflege der 
großen Rinder- und Schafherden den Frauen, Kindern, Greisen 
und Sklaven überlassen. Rinder, Schafe und Pferde bildeten den 
einzigen Besitz des Germanen; sie waren das Tauschmittel beim 
Kauf. Gold und Silber wußte er noch nicht zu schätzen. Darum
	        
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