Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

5. Die Kreuzzüge und ihre Bedeutung. 
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Mantel zu heften. Ungewöhnlich schnell stieg das Ansehen dieses 
Drdens, der größtenteils aus Franzosen bestand, und er gewann 
durch reiche Mitglieder und fromme Vermächtnisse beträchtliche Reich 
tümer. Die meisten ihrer Güter hatten die Tempelherren in Frank 
reich, und der große Reichtum reizte die Habsucht der französischen 
Könige. Im Jahre 1307 ließ der heimtückische König Philipp IV. 
(der Schöne) alle Tempelherren in seinem Reiche ergreifen und in 
An hartes Gefängnis werfen. Er legte ihnen die unerhörtesten 
Verbrechen zur Last, an die sie gar nicht gedacht hatten, und ließ 
sie auf die schrecklichste Weise foltern, damit sie Geständnisse machen 
sollten, wie er es wünschte. Sogar der Papst entblödete sich nicht, 
chm hilfreiche Hand zu leisten; er erklärte im Jahre 1312 den 
Orden für aufgelöst. Manche Ordensritter wurden lebendig ver 
kannt; ihr Reichtum fiel dem Könige zu. 
Auch der Deutsche oder Marien-Ritterorden hat seine 
Entstehung den Kreuzzügen zu verdanken. Er wurde im Jahre 1190 
von Deutschen gegründet. Die Mitglieder desselben mußten Deutsche 
siin, und sie verpflichteten sich wie die beiden vorher genannten Orden 
zu den Gelübden des Gehorsams, der Keuschheit und der persönlichen 
Armut. Ihre Ordenstracht war ein weißer Mantel mit schwarzeck 
Kreuze. Rach dem Verluste des heiligen Landes wandten sie sich nach 
Venedig. Von hier sandle der Hochmeister H erm an n von Salza 
iw Jahre 1227 auf Bitten des Bischofs von Preußen, Christian 
v o n O l i v a, eine Anzahl Ritter unter dem Landmeister Hermann 
Volk, dem bald ein größeres Kreuzheer nachfolgte, nach Preußen, 
um die heidnischen Bewohner dieses Landes für das Christentum zu 
gewinnen. Dreiundfünfzig Jahre führten sie hier blutige Kriege. 
Endlich eroberten sie das Land, das nun unter der Herrschaft des 
Ordens rasch emporblühte. Der Landbau stand in schönster Blüte; 
Zahlreiche Schiffe füllten die Häfen der Ostsee; Städte wurden ge 
gründet und gelangten durch Handel und Gewerbe zu großem 
Wohlstände; Kunst und Wissenschaft wurden von den trefflichen 
Ordensrittern eifrig gepstegt. Im Jahre 1309 wurde der Sitz des 
Hochmeisters von Venedig nach Marien bürg verlegt, und seitdem 
dehnte der Orden sein Gebiet und zugleich die deutsche Kultur mehr 
Und mehr aus, bis die Niederlage bei Tannenberg 1410 gegen 
den König von Polen seine Macht brach. Im Frieden zu Thorn 
1466 verlor er W e st p r e u ß e n an Polen und mußte die pol - 
uische Lehnshoheit über Ostpreußen anerkennen. Im 
Jahre 1625 trat der Hochmeister Albrecht von Brandenburg 
samt den meisten Obdensmitgliedern zur lutherischen Religion über 
und verwandelte das Ordensland in ein weltliches Herzogtum, je 
doch unter polnischer Oberhoheit. Im Wiener Frieden (1815) wurde 
der Orden aufgehoben.
	        
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