Full text: Leitfaden für den Unterricht in der deutschen Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der kulturgeschichtlichen Momente für die Oberstufe mehrklassiger Volks- und Mittelschulen

5. Die Kreuzzüge und ihre Bedeutung. 
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Lande; er erlangte aber nur in einem Vertrage mit Saladin den 
Küstenstrich von Iopp e bis Pt olemais, sowie den ungehinderten 
Zutritt der Pilger zu den heiligen Orten. Dann kehrte auch er 
zurück, geriet aber in die Gefangenschaft Leopolds von Österreich 
und wurde von diesem an den Kaiser Heinrich VI. ausgeliefert, 
der ihn nur gegen ein ungeheures Lösegeld freigab. 
Der vierte Kreuzzug 1204. welcher durch den Papst Jnno- 
cenz III. und den Grafen Balduin von Flandern zu stände 
kam, erreichte Palästina gar nicht. Die Pilger ließen sich durch den 
Dogen (Herzog) von Venedig zu einem Auge gegen Kon 
stantinopel überreden, das sie eroberten, und wo sie an Stelle 
des griechischen das lateinische Kaisertum unter Balduin 
errichteten, das aber schon nach einigen Jahrzehnten wieder ver 
koken ging. 
Nach mehreren verunglückten Unternehmungen — es hatten sich 
sogar im Jahre 1212 Tausende von Kindern zu einem Kreuzzuge 
zusammengethan, die aber teils den Anstrengungen erlagen, teils 
den Seeräubern in die Hände fielen — gewann Kaiser Friedrich II. 
im fünften Kreuzzuge 1228 Jerusalem und die heiligen Orte auf 
kurze Zeit den Christen zurück. 
Den sechsten und den siebenten Krcuzzug unternahm der 
König Ludwig IX. der Heilige von Frankreich in den Jahren 
1248 und 1270. Er versuchte, Ägypten zu erobern, um hier 
einen festen Stützpunkt für die Einnahme des heiligen Landes zu 
gewinnen. Beide Unternehmungen aber waren ohne Erfolg, und 
von nun an gaben die abendländischen Fürsten cs auf, das heilige 
Land zu erobern. Dasselbe blieb fortan in den Händen 
der Türken. 
Die ursprüngliche Idee, durch die Kreuzzüge eine christliche 
Herrschaft im Morgenlande zu gründen, war also für die Dauer 
nicht verwirklicht worden; aber ohne gewisse segensreiche Folgen blieb 
diese große Bewegung dennoch nicht, so daß die fünf bis acht Mil 
lionen Menschen, die jene Kriegszüge gekostet haben sollen, nicht 
umsonst geopfert sind. , 
Der Gedanke, zur Ehre Gottes und für die Ausbreitung seiner 
heiligen Kirche das Schwert zu führen, mußte veredelnd auf 
die Gemüter wirken. Die Vorstellung, daß jeder Christ im 
Gefolge des Herrn Jesu Christi stehe, auch der hörige Bauer und 
sein Knecht, welche hier auf Erden sonst nicht Schwert und Ritterspieß 
führen durften, mußte das alte Bedürfnis des germanischen Volkes, 
sich einem Herrn in Opfermut und Treue hinzugeben, in allen Kreisen 
neu beleben. Gott selbst rief zum Kriege; er begehrte statt Buße 
und Spenden dieselbe Arbeit, die dem Deutschen immer noch die 
preiswürdigste war: irdisches Heldentum, Krieg und Schlachtenmut.
	        

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