Resultate. III. Oberstufe. VIII, 55 
solchen Schülern, welche Interesse an geschichtlichen Dingen gewonnen 
haben, aufgenommen werden wird. Und mehr ist nicht nötig. 1 ) 
III. Obere Stufe. 
(Obersekunda, Unterprima, Oberprima.) 
Damit wären wir denn an dem Wendepunkt angelangt, den die neue 
preussische Ordnung so scharf markiert, dass man geneigt wäre, die ab 
solvierte Untersekunda als eine Art „Majorsecke“ anzusehen, an welcher sich 
untrüglich entscheiden werde, wer zur Fortsetzung der Gymnasialstudien ge 
eignet und demnächst willig sei: wer die Abschlussprüfung erst nach 
anderthalb oder zwei Jahren Untersekunda besteht, hält inne und wendet 
sich irgend einem praktischen Lebensberufe zu. Es hat nicht den Anschein, 
als wenn diese Erwartung sich erfülle, als ob wie früher bei den Real 
gymnasien, einige gute und nahezu alle schlechten Schüler mit Unter 
sekunda abgehen und nur eine Art Selekta Zurückbleiben werde: um so 
weniger, als gleichzeitig die Abiturientenprüfung erheblich erleichtert 
worden ist. Der Gesamtcharakter der Obersekunda und demgemäss der 
ganzen Oberstufe wird, soweit sich bis jetzt urteilen lässt, nicht anders 
sein als bisher. Das geistige Niveau dieser Oberstufe wird etwas nie 
driger — vielleicht demnächst sehr bemerkbar niedriger sein, als bisher, 
weil der ganze Lehrplan des Gymnasiums bis Untersekunda incl. auf die 
jenigen zugeschnitten ist, welche mit dieser Klasse das Studium abbrechen, 
und weil die Voraussetzung, dass man künftighin es in den drei letzten 
Jahrgängen mit einer mässigeren Anzahl relativ befähigterer Schüler zu 
thun haben werde, nicht zutrifft. Auch der Lehrer der Geschichte wird 
gut thun, sich in dieser Richtung jeder Illusion zu entschlagen. 
Mit Ob ersekunda beginnt, nach der jetzigen Ordnung der Mehrzahl 
der deutschen Gymnasien, die zweite Wanderung durch das weite Gebiet 
der Geschichte, die gewissermassen dasjenige leisten muss, was im parla 
mentarischen Leben die zweite Lesung leistet oder leisten soll. Eine 
dritte, entscheidende, die geschichtliche Bildung oder Vorbildung auf der 
Schule abschliessende Lesung, gibt es nicht: eine Anzahl derer, welche 
nach beendeter Gymnasiallaufbahn eine Universität besuchen, — von den 
wenigen, welche speziell Geschichte studieren wollen, abgesehen — wird 
vielleicht noch eine und die andere geschichtliche Vorlesung hören, und 
eine doch nicht ganz geringe Zahl wird ihre geschichtlichen Kenntnisse 
durch Lektüre geschichtlicher Werke zu vervollständigen suchen, wie man 
daraus schliessen kann, dass hervorragende Werke allgemeingeschicht 
lichen Charakters eines grossen Absatzes sich erfreuen. In dieser Bezieh 
ung scheint uns ein Fortschritt verzeichnet werden zu dürfen, wenn 
') Bei Verwaltung einer Schülerbiblio- 
tbek ist mir die Vorliebe der älteren Schüler 
klassen für den historischen Roman aufge 
fallen : was von Ebers, Felix Dahn, Freytag, 
Willibald Alexis da war, war stets überaus 
gefragt: auch Walter Scott: und gegen das 
letztere hatte ich auch gar nichts einzu 
wenden, wogegen mir bei Büchern wie etwa 
Dahns Kampf um Rom ernste Bedenken auf 
gestiegen sind, ob nicht durch solche ou- 
trierte Darstellung, von anderem Schaden ab 
gesehen, eben dem Sinn für geschichtliche 
Auffassung empfindliche Schädigung drohe.
	        

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