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Geschichte. 
wieder, als wenn das etwas Besonderes wäre, drucken zu lassen braucht. 
Hat man also z.B. den Abschnitt 1740 —1789 ausführlich vorgetragen und von 
Stunde zu Stunde sich überzeugt, dass das Einzelne richtig aufgefasst und 
verstanden worden ist, so kann man diesen Abschnitt unter dem Gesichts 
punkt der Regierung des bedeutendsten Mannes der Epoche, Friedrichs des 
Grossen, wiederholen, und zwar 
I. Seine Regierung im Innern; Art derselben, Hofhaltung, Umgebung, 
Absolutie, dann 
a) Heeresverwaltung, b) Finanzen c) Landesverwaltung — 
Ackerbau, Handel u. s. w., d) Justiz, e) Volksbildung, Kunst, 
Wissenschaft, 
II. Seine Beziehungen zu auswärtigen Mächten, 
a) zu Österreich — seine deutsche Politik in diesem Zusammen 
hang, b) Russland, c) Frankreich, d) Grossbritannien, e) Schwe 
den — u. s. w. 
Dass in irgend einem der aufgestellten Punkte ein wesentlicher 
Unterschied bestehen müsste zwischen dem Geschichtsunterricht an Gymna 
sien und dem an Realanstalten, glaube ich nicht, muss mich aber, da mir 
für die letzteren aus jüngster Zeit keine eigenen Erfahrungen mehr zu 
Gebote stehen, bescheiden. Dass man gerade an Realschulen grosses 
Gewicht auf den geschichtlichen Unterricht legen muss, wurde schon bemerkt. 
Da wo der Klassenplatz unter Berechnung der Censuren in den einzelnen 
Fächern festgestellt wird und dabei, wie billig, die Fächer verschiedene 
Zahlenwerte repräsentieren, würde ich das Geschichtszeugnis etwa dem 
des Englischen gleichstellen, auch häufiger als an Gymnasien Aufsatz- 
themate dem geschichtlichen Gebiet entnehmen. Auch werden bei den Ge 
samtrepetitionen vielfach sich hier andere Motive ergeben, als beim Gymna 
sium, worüber aber, da solche Motive sich aus dem gesamten Charakter 
des Stoffs und seiner besonderen Auffassung und Behandlung auf Real 
schulen ergeben, hier nicht fruchtbar geredet werden kann. 
Eines könnte hier zum Schlüsse noch Erwähnung finden: die Förde 
rung, welche Geschichtssinn und Geschichtskenntnis durch häusliche 
Lektüre finden können. Auf diese kann der Lehrer einigen Einfluss üben, 
namentlich wenn er die Schülerbibliothek verwaltet oder wenigstens kennt: 
vor Überspannung dieses Einflusses ist aber eher zu warnen. Die Schule, 
d. h- der Lehrer soll nicht mehr beherrschen wollen, als sie mit ihren 
Kräften erreichen kann und es ist eine Utopie oder, dass wir es gerade 
heraussagen, eine geschwollene Phrase, wenn man von einer „durch die 
Schule“ „weise geregelten“ und geleiteten häuslichen Lektüre und ihren 
Segnungen spricht. Der Lehrer mag raten, wo man seinen Rat begehrt, 
und auch dann und wann, wo man diesen Rat nicht begehrt, er ihn aber 
für nützlich erachtet. Sonst aber muss dies Gebiet frei sein, und man 
muss nicht einem Schüler, der lieber naturgeschichtliche oder geographische 
Bücher liest, geschichtliche Lektüre aufreden oder aufnötigen. Die ein 
schlägige gute Litteratur, Archenholz, Treitschke, Häusser u. s. w. müssen 
da sein, und der Lehrer kann dann und wann ein lobendes, anempfehlen 
des Wort nach dieser Richtung fallen lassen, das dann auch meist von
	        

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