Untersekunda: Geschichtsunterricht. Vortrag. Repetition. VIII, 53 
12—1 ist die grosse Mehrzahl der Schüler gar nicht im stände, diesem 
Vortrag und wenn es nur 20 Minuten hintereinander wären, mit „gleich- 
massig gespannter“ Aufmerksamkeit zu folgen. So rein mechanisch, wie 
man sagt, wird ein solches Nachschreiben doch auch nicht sein können 
und so ganz zu verachten ist deshalb jenes Mittel, durch ein vom Schüler 
selbst ergriffenes lene tormentum dem Aufmerken etwas nachzuhelfen, des 
halb nicht. 
Man wird bei dieser Repetition von Stunde zu Stunde häufig auf 
Schüler stossen, die sehr geläufig und glatt den Inhalt der vorhergehenden 
Stunde, selbst mit den verha magistri wiederholen können: man dringt in 
den unteren Klassen jetzt überall sehr auf das „Wiedererzählen“ und der 
Preussische Lehrplan schliesst seine „methodischen Bemerkungen“ zu dem 
Fach mit dem Worte: „der mündliche freie Vortrag muss in dem ge 
schichtlichen Unterricht besonders geübt werden“. Wir würden uns weniger 
vornehm ausdrücken und wollen als allgemeines Prinzip aufstellen — man 
muss die Schüler gewöhnen, was und wo sie etwas zu sagen haben, 
sich gut auszudrücken. Dafür ist allerdings der geschichtliche Unterricht 
besonders fruchtbar, aus dem einfachen Grunde, weil es besonders schwierig 
ist, sich über geschichtliche Zusammenhänge verständig auszusprechen. 
Eben darum muss der Lehrer ein gemischtes System befolgen, schwierigere 
Partien rein katechetisch wiederholen, und auch bei leichtern wird er den 
„Vortrag“ des Schülers nicht selten unterbrechen, da und dort einen Aus 
druck berichtigen, eine leere Phrase ablehnen, dem Verständnis durch eine 
Frage nachhelfen müssen. Selbstzweck darf der „freie Vortrag“ nie sein 
— hier ist auch kein dringendes Bedürfnis zu befriedigen, denn in Wahrheit 
hat die Fähigkeit des „freien Vortragens“ in der Welt in einem beinahe 
erschreckenden Masse zugenommen. Geschichte lernen, nicht glattreden 
lernen, muss der Zweck auch jenes frei Vortragens bei der Repetition sein. 
Die Repetitionen grösserer Abschnitte, bei denen das geschicht 
liche Material in neuer Form unter anderen Gesichtspunkten reproduziert 
wird, dürfen, obgleich verhältnismässig viel Zeit vorhanden ist, dem- 
ungeachtet nicht zu weit ausgesponnen werden: nicht das Detail, nicht 
die Erzählung wird repetiert, sondern das grundlegende Thatsächliche, die 
entscheidenden Momente, gleichsam das Geschäftliche der geschichtlichen 
Bewegung wird behufs Einprägung verständig aufgefassten Geschichts 
materials noch einmal in Frage und Antwort zusammenfassend durch 
genommen, und die Schüler haben, um diese Operation mit Nutzen an sich 
vollziehen zu lassen und mit zu vollziehen, den betreffenden Abschnitt des 
Lehrbuchs, das solchem Zweck vor allem zu dienen bestimmt ist, zu Hause 
durchzuarbeiten. Bei diesen Repetitionen, die ich, wie ich jüngeren Fach 
genossen nicht verhehlen will, für die allerschwierigste der Aufgaben 
halte, die uns bei unserem Geschäft gestellt werden können, muss sich 
die Lehrkunst zeigen, und sie gelingen nicht immer so vollkommen, dass 
man sie noch etwas verschönert der Walhalla der „Lehrproben und Lehr 
gänge“ ein verleiben könnte. Notwendig ist, das der Lehrer sich a) über 
einen leitenden Gesichtspunkt klar ist und b), dass er sich vorher nach 
diesem Gesichtspunkt eine Disposition entwerfe, die er aber nicht gleich
	        

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