VIII. 44 
Geschichte. 
Einseitigkeit auf dieser Stufe das Stoffliche, Tatsächliche zu betonen, 
und jenes eben skizzierte Operieren mit dem historischen Stoff etwas ele 
mentar zu behandeln, die dabei leitenden Motive etwas von der nahen 
Oberfläche zu greifen — welche auswärtigen Feinde hat Deutschland im 
9., 10. u. s. w. Jahrhundert zu bekämpfen gehabt? welche Völker haben 
Italien von 476 bis 1527 erobernd heimgesucht? und welche von diesen 
Völkern haben dort dauernde Spuren ihres Daseins hinterlassen? welcher Teil 
Deutschlands, welche Länder Europas sind am Anfang des 17. Jahrhunderts 
der Augsburger Konfession und welche der alten Kirche zugethan gewesen? 
welche Gegenden Deutschlands sind vorzugsweise Kriegsschauplätze im 30- 
jährigen u. s. w. Kriege gewesen? und ähnliches. 
Wir glauben nicht, dass der Geschichtsunterricht in den ent 
sprechenden Klassen der Realanstalten von den gymnasialen sich sehr 
wesentlich unterscheiden darf: in dem preussischen Lehrplan von 1892 
ist dort der „Geschichte und Geographie“ 1 Stunde mehr, 2 + 2 gegönnt, 
welche doch wohl mit Recht der Geographie zugewiesen ist. Der Ge 
schichtsunterricht in diesen Anstalten erscheint uns als ein ganz besonders 
wichtiger: und zwar deswegen, weil dasjenige, was dem geschichtlichen 
Sinn Förderndes dem Realschüler aus den übrigen Unterrichtsfächern zu 
kommt, nur von mässiger Fülle und Wirkung ist. Die Erlernung des Eng 
lischen auf dieser Stufe erweitert zwar, wie jede neue Sprache die ein 
Mensch lernt, den geistigen Horizont, sie dient aber nach der ganzen 
Organisation und Bestimmung der Realschule doch so vorwiegend und 
augenfällig praktischen Zwecken — und soll es auch — dass der indirekte 
Nutzen, den wir sonst von so manchen Fächern für die Fähigkeit ge 
schichtlicher Auffassung erwarten, hier sehr wenig ins Gewicht fallen wird. 
Der Geschichtsunterricht hat, das liegt in seinem Wesen, eine realistische 
und eine idealistische Seite: Menschen von Fleisch und Blut, wie wir, die 
einst mit denselben Bedürfnissen, Schwachheiten, Leidenschaften gelebt 
haben, wie wir, erhalten doch durch den grossen Zusammenhang, in dem 
wir sie betrachten, einen ähnlichen Charakter wie den Griechen die He 
roen ihrer mythischen Welt ihn hatten: wir hoffen nicht missverstanden 
zu werden, wenn wir sagen, dass für den Unterricht am Gymnasium die 
realistische, für den an der Realschule die idealistische Seite mehr zu 
betonen ist. Anders ausgedrückt: der Verfasser würde, wenn ihm längere 
Zeit als in Wirklichkeit der Fall war, vergönnt gewesen wäre, Schülern 
einer lateinlosen Realschule Geschichtsunterricht zu erteilen, ihnen weniger 
von den merkantilen Folgen der Kreuzzüge und mehr von den religiösen 
Impulsen, welche diese Unternehmungen hervorgerufen haben, erzählen 
als den Gymnasiasten. 
Untersekunda. 
Diese Klasse — das letzte Jahr der mittleren Stufe, die wir für 
unseren Gegenstand annehmen, — hat durch die neue Schulordnung in 
Preussen einen etwas eigentümlichen Charakter bekommen. Es ist die 
Klasse der Abschlussprüfung — denn dass bei einer Schulreform auf deut 
schem und preussischem Boden es nicht ohne ein neues Examen abgehen
	        

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