II. Mittelstufe. Tertia: Religion. Geographie. 
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sorgen. Der Begriff Menschheit, erinnerten wir oben, ist ein religiöser, 
ein Glaube, er setzt den der Gottheit mit Notwendigkeit voraus: diese 
Begriffe müssen dem, der Geschichte studieren — studieren lernen will — 
zur Wahrheit werden, und in der That kann man in den zwei Jahren Tertia 
diesem Ziele um ein gutes Stück näher kommen. 
Wenden wir uns nun von den Zuflüssen zum Hauptstrom, von dem 
was an geschichtlichen Anregungen die übrigen Unterrichtsfächer den 
Schülern zuführen, zum eigentlichen Geschichtsunterricht, so müssen 
wir dabei Geschichte und Geographie zusammennehmen, wie dies auch der 
preussische Lehrplan und die meisten wenigstens in dem den einzelnen 
Fächern vorangedruckten Gesamttableau thun: und darüber kann wohl auch 
kein Zweifel sein, dass, wenn das Geschichtspensum der Tertia die deutsche 
Geschichte ist, und das geographische Pensum der Quarta Europa ausser 
Deutschland gewesen ist, das Geographiepensum für Tertia nur die Geo 
graphie von Deutschland sein kann. Die Bestimmungen des preussi- 
schen Lehrplans hinsichtlich dessen, was er dem allgemeinen deutschen 
Sprachverein zu lieb Erdkunde nennt, begreifen wir nicht recht. Er gibt 
als Pensum der Untertertia an erster Stelle „Wiederholung der politischen 
Erdkunde Deutschlands“ und desgleichen für Obertertia „Wiederholung der 
physischen Erdkunde Deutschlands“: was fast wie ein Schreibfehler oder 
wie ein Redaktionsfehler aussieht. Denn das ist doch wohl klar, dass die 
umgekehrte Ordnung die natürlichere ist: dass die politische Geographie 
um so fruchtbarer wird „wiederholt“ werden können, je besser die Schüler 
in der Geschichte des Landes orientiert sein werden, und ebenso, dass die 
physische Geographie überhaupt _yp ran gehen muss. Sie wird also das Pensum 
der Untertertia bilden müssen. Zu „wiederholen“ wird es freilich, nach 
dem, was wir oben zum Quintaunterricht bemerkten, nicht viel geben, 
denn in Quinta ist nicht viel gelernt und sehr wenig behalten worden : man 
wird so ziemlich von vorne anfangen müssen. Der preussische Lehrplan 
fügt hinzu: für Untertertia — physische und politische Erdkunde der 
aussereuropäischen Erdteile ausser den deutschen Kolonien; für Obertertia 
Erdkunde der deutschen Kolonien. Dies wäre demnach das Haupt pensum 
— aussereuropäische Erdteile und deutsche Kolonien. Wie man aber 
diese letzteren, die denn doch in ein paar Stunden für Tertianer abgemacht 
werden können, zum Hauptpensum der Obertertia machen und sie als Ap 
pendix der physischen Erdkunde Deutschlands behandeln oder bezeichnen 
kann, während sie doch offenbar einen Bestandteil der politischen Geo 
graphie Deutschlands bilden, ist uns unverständlich, wie diese ganze An 
ordnung. Sie kann so nicht bleiben, ohne Verwirrung anzurichten: wir 
werden sagen müssen und sind überzeugt, dass dies sich von selbst so 
machen wird, dass das Deutsche Reich, physisch und politisch, das Haupt 
pensum der Tertia in ihren zwei Jahreskursen bilde, die deutschen Kolonien 
dabei notwendig mit zur Sprache kommen müssen, und dies nicht fruchtbar 
geschehen könne, ohne eine Repetition der physischen und politischen Geo 
graphie der aussereuropäischen Erdteile, welche der Schüler zuerst in 
Sexta und Quinta einigermassen kennen gelernt hat. Dass Geschichte und 
Geographie vor allem hier aufs engste zusammengehören, bedarf keines 
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