Tertia. Bedeutung der übrigen Fächer. Griechisch. 
VIII, 29 
Dieser Organisation welche, denken wir, in ihren Früchten sich bei 
den Generationen von 1864, 66, 70 und ferner sehr gut bewährt hat, ist 
ihre Basis, — Eines studierend ergründen, Manches lernen — wir meinen 
das ernsthafte Selbsterarbeiten gründlicher Sprachkenntnisse in den zwei 
vorzugsweise hiefür geeigneten Sprachen Latein und Griechisch — so 
empfindlich geschmälert worden, dass wir für den Erfolg nicht mehr ein 
stehen können. Wir meinen nicht den späteren Anfang des Griechischen, 
das Hesse sich ertragen, sondern die Reduzierung des Lateinischen schon 
von Sexta an und weiter für Quarta und Tertia von früher 10 auf 7 Stunden, 
eine Änderung, für die wir uns vergebens nach irgend einem Schatten eines 
vernünftigen Grundes umgesehen haben. Der jetzige Lehrplan der Tertia 
in den preussischen Gymnasien ist also erheblich schlechter als früher, 
weil man den Zweck zwar festgehalten, aber die Mittel zu kurz zugemessen 
hat. Die Folgen werden nicht ausbleiben: für unseren speziellen Gegen 
stand, den Geschichtsunterricht in dieser Klasse, ist scheinbar nach einer 
Seite ein Mehr herausgekommen, indem man für die Untersekunda statt 
eines Stückes der alten ein Stück deutscher Geschichte als Pensum be 
stimmt hat. Die deutsche Geschichte hat somit jetzt auf den preussischen 
Mittelschulen 3 statt 2 Jahre, wovon bei Besprechung der Untersekunda 
noch die Rede sein muss. 
Welche Elemente historischer Bildung, so müssen wir auch hier zuerst 
fragen, liefern den Schülern der Tertia die übrigen Unterrichtsfächer? — 
wobei wir Mathematik und Naturkunde ausser Betracht lassen können. 
Eine sehr wichtige Erweiterung des geschichtlichen Gesichtskreises 
schafft hier, um zunächst das Gymnasium zu besprechen, die mit Unter 
tertia beginnende Kenntnis des Griechischen, und zwar schon mit der 
Erlernung des Alphabets. Für jeden einfachen Verstand ist dies von 
selbst einleuchtend. Der Zusammenhang unserer Schrift mit der griechi 
schen ist auch dem 12jährigen deutlich und wenn man ihn daran erinnert, 
woher denn die Griechen die ihrige hatten, so wird sein Blick auf einen 
und dadurch auf den grossen Kulturzusammenhang in der Mehschenwelt 
gerichtet und ein Moment mehr ist gewonnen für die dem Heranwachsenden 
allmählich zur lebendigen Wahrheit werdende Erkenntnis von der Mensch 
heit. Lernt er dann seine ersten griechischen Vokabeln, so treten ihm 
alsbald solche entgegen, deren Identität mit deutschen und lateinischen 
ihm sofort einleuchten und den Gedanken an eine nähere und nächste 
Verwandtschaft der drei Völker nahe legen muss: kurzum, eine neue 
Quelle geschichtlichen Erkennens beginnt ihm zu fliessen, selbst noch 
ehe er an die zusammenhängende Lektüre gelangt, die schon auf Ober 
tertia in einer historischen Quellenschrift ersten Ranges, Xenophons Ana- 
basis, besteht., Dass der letztere, wie uns dünkt sehr erhebliche Vorteil 
geschädigt wird durch die Herabsetzung der Stundenzahl von 7 auf 6 in 
der neuen preussischen Lehrordnung von 1892, leuchtet von selbst ein: 
wir freuen uns, dass die sächsische Lehrordnung von 1893, die uns nicht 
bloss hier auf richtigerer, und weniger durch heteronome Rücksichten ge 
trübter Beobachtung zu beruhen scheint, diesem bedenklichen Vorgang nicht 
gefolgt ist, sondern die 7 Stunden für Tertia und Sekunda beibehalten hat.
	        

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