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Geschichte. 
unterrichtlich zur Erzeugung von Patriotismus verwenden könne und viel 
leicht dass man in einiger Zeit dahin kommt, auf psycho-psysiologischem 
Wege Geschichtsdaten in patriotische Empfindungen umzusetzen: einstweilen 
möchten wir dringend vor dieser Behandlungsart warnen. Ein schlimmerer 
Fehler ist beim Vortrag nicht denkbar, als den Patriotismus oder sonst 
eine edle Empfindung zu predigen.') Das Schöne grosser und erheben 
der geschichtlicher Vorgänge, wie etwa die Haltung des römischen Senats 
nach der Schlacht bei Cannä, ist gerade, dass sie sich selber predigen. 
Herodot sagt von Ephialtes nichts weiter als „der war’s, den schreibe ich 
schuldig, u/.ht roviov cd'riov youqm, von Leonidas nichts weiter als ävrjQ 
cigiarog ysröfisrog, sowie Tschudi in seinem Chronicon Helveticum von 
Arnold von Winckelried: „Also was einer von Unterwalden, Arnold von 
Winckelried genant, ein redlicher Ritter: der sprang für die Ordnung us 
und umschlug mit sinen Armen ein Teil der Vienden Spiessen: des gab 
Er sin Leben darumb“: und dies wäre das Ideal einer Erzählung. Es 
darf nicht wie eine erstaunliche Heldenthat nach früherer Manier ge 
priesen werden, dass Regulus oder die Gefangenen des Pyrrhus, die 
unter Eid entlassen waren, diesen Eid auch gehalten haben und zurück 
gekehrt sind. 
Allerdings aber: Eine Regel nach dieser Richtung wollen auch wir aus 
sprechen — der Lehrer erzähle als Mann und nicht als Schulmeister Ge 
schichte, als Patriot, der er hoffentlich ist, und der deshalb auch den 
tiefen Patriotismus eines Mannes wie Aristides oder Demosthenes begreifen 
kann, er wehre seiner Begeisterung nicht, wenn sie ihm ungerufen bei Er 
zählung einer wackern That aus der Seele hervorbricht, aber er suche 
nicht darnach, denn je mehr er nach ihr sucht, um so weniger wird er 
sie finden. Und noch an eins darf man erinnern: dass erfahrungsmässig 
die Schüler dieses Alters nichts lieber haben als (neben den deutschen 
etwa) die Geschichtstunden. Diese Stimmung der Schüler, welche dem 
Lehrer bei diesem Gegenstand auf das erwünschteste entgegenkommt, ist 
ein Kapital, mit dem sich trefflich wuchern lässt, und sie bedarf gar keiner 
künstlichen Steigerung. 
Aus dieser Eigentümlichkeit des Geschichtsunterrichts, seiner Beliebt 
heit bei den Schülern, die auf Quarta noch ganz ungetrübt ist und bleiben 
soll, folgt, dass man mit Hausaufgaben sparsam sein muss: weniges, sehr 
weniges, aber allerdings immer und regelmässig etwas, sonst ästimiert 
der Schüler das Fach nicht. Also einfach — lest, was wir heute gehabt, 
für die nächste Stunde noch einmal in eurem Lehrbuch nach. Eine andere 
Vorbereitung für die Geschichtstunde als diese Wiederholung des in der 
vorigen Stunde durchgenommenen, gibt es, auf dieser Stufe zum mindesten 
und selbstverständlich, sollte man denken — nicht. 
Dies führt uns auf den dritten Faktor beim geschichtlichen Unter 
richte, die Repetition. Das Wiederholen als Hausaufgabe geschieht, wie 
') Ganz gut sagt liier die eben ange 
führte Methodus für die Jesuitenschulen 1. c.: 
Doctrinas morales e re natas immisceat pro- 
fessor, non multas tarnen — — 1ieflexiones 
hae ad moralia brevissitnae sint, ne concio 
prodeat loco historiac.
	        

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