VIII, 18 
Geschichte, 
und da ferner man auf dieser ersten Stufe ganz besonders nach einfachen 
Gruppierungen streben muss, sich mit einer Geschichte jener beiden Völker zu 
begnügen hat, einer Geschichte, die man nicht erst aus der Erde zu graben 
braucht, sondern die sich kraft einer niemals unterbrochenen Überlieferung 
mit unserer heutigen Welt noch berühren. Indes nicht bloss aus diesem 
mehr oder weniger äusserlichen Grunde, sondern deshalb, weil wir, wir 
Europäer und Deutsche, mit diesen beiden Völkern auf demselben Boden 
der Freiheit stehen, dieser geheimnisvollen, auf griechischem Boden zuerst 
Leben und Wahrheit gewordenen Kraft, — weil wir, kurz gesagt, wir 
ebenso wie die Griechen und Römer, Occidentalen nicht Orientalen sind: 
darum sind sie uns, auch unseren Quartanern schon, nicht nur interessanter, 
sondern auch verständlicher. Gelegenheit, einiges notwendige über jene 
orientalischen Völker, die ja den Knaben schon nicht mehr völlig fremd 
sind, beizubringen, bietet sich ungezwungen an verschiedenen Orten, zu 
nächst vor dem Eintritt in die Erzählung der Perserkriege — als Orient 
und Occident, die persische Monarchie und die Welt der hellenischen 
Stadtstaaten zusammenstiessen, wo man also notwendigerweise etwas 
von jener grossen Monarchie, ihrer Entstehung, ihren Lebensbedingungen 
sagen muss. • 
Quarta. 
Und nun kämen wir auf die Hauptfrage, die meist, der herrschenden 
Mode gemäss, in sehr prätentiöser oder preziöser Form gestellt wird: die 
Frage nach der „Aufgabe des Geschichtsunterrichts“ in Quarta. Wir 
wollen die Frage konkreter stellen: was will oder soll der Lehrer auf 
diesem Gebiet in dem Jahre, das diesem ersten Gang durch die alte Ge 
schichte gewidmet ist, mit den 20, 80, 40 Knaben, welche die Klasse 
bilden, in den 2 Wochenstunden, macht zusammen etwa 80 Stunden, thun 
und erreichen und worauf hat er, nach der Natur des Gegenstands und 
nach der Natur seiner Schüler, besonders sein Augenmerk zu richten? 
Zunächst doch wohl auf den Charakter dieser Klassenstufe und des 
Unterrichts auf dieser Klassenstufe: den wir dahin bestimmen zu sollen 
glauben, dass hier, mit diesen zwischen II und 13 Jahre alten Knaben, 
überall aus dem Fragmentarischen heraus und zu grösseren Zusammen 
hängen hin gestrebt wird: im Lateinischen, wo mehr und mehr zu 
sammenhängende Stücke übersetzt werden, ein wirkliches Buch, der Cor 
nelius Nepos oder ein ähnliches, das sich als ein Ganzes gibt, gelesen 
wird; in der Religion, wo sie das Alte Testament oder ein Lesebuch aus 
dem Alten Testament, das ganze Bücher desselben oder mindestens grössere 
Abschnitte enthält und sich als ein Ganzes darstellt, in die Hand be 
kommen; im Deutschen, wo sie die Stücke des Lesebuchs unter grup 
pierenden, konzentrierenden, gleichartiges zusammenbindenden Gesichts 
punkten lesen sollen und wo sie den ersten Flug ins Land der wirklichen 
mit einigem Recht so zu nennenden Aufsätze wagen: so auch führt ihnen 
der Geschichtsunterricht jetzt ein zusammenhängendes Ganze, das Leben 
zweier wichtiger Völker von ihren Ursprüngen bis zu ihrem Untergang 
oder Übergang in neue geschichtliche Gestaltungen vor.
	        

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