Zweimalige Wanderung. Beginn des eigentlichen Geschichtsunterrichts. YIII, 7 
Berücksichtigung aller möglichen wirtschaftlichen und sozialen Entwicke 
lungen an den Geschichtslehrer heran und es ist nicht das Einzige; alle 
Augenblicke verlangt irgend ein neues Moment gebieterisch „Berücksichti 
gung“, es ist als bemächtige sich der Geist der Reklame, der Anpreisung feil 
gebotener Ware auch unseres vom Marktgetriebe und Konkurrenz so entfernten 
Gebietes. In Wahrheit: der grossen Worte ist kein Ende: Pflege des 
Vaterlandsgefühls, des staatlichen Verantwortlichkeitsgefühls, des religiösen 
Sinnes, des Charakters überhaupt, verlangt man von ihm: der Erfahrene 
weiss, was es mit alle dem auf sich hat, wie bescheiden die Wahrheit 
oder Wirklichkeit ist, die sich hinter den hochtrabenden Redensarten ver 
birgt. Dem jüngeren Fachgenossen aber möchten wir deshalb gleich hier 
an der Schwelle unserer Betrachtungen den doppelten Rat geben 
einmal: sich von dem Lärm nicht erschrecken und von den grossen 
Worten nicht entmutigen zu lassen und 
zweitens: nur fortzufahren Geschichte zu studieren, — sie zu lernen, 
damit er sie lehren könne. 
Eines aber ist allerdings notwendig, auf welcher Stufe immer er den 
Geschichtsunterricht zu erteilen habe, — er muss den ganzen Weg, denseine 
Schüler zurückgelegt haben oder noch zurücklegen werden, übersehen können: 
von diesem Gesichtspunkte gehen wir bei den folgenden Betrachtungen aus 
und nur auf diese Weise können wir hoffen, unseren Studien- und Fach 
genossen mit denselben einigen Nutzen zu bringen. Unsere deutschen Gym 
nasien und die ihnen entsprechenden sonstigen höheren oder Mittelschulen 
empfangen ihre Schüler im allgemeinen im 9. oder mit vollendetem 9. Jahr, 
hier etwas früher, dort etwas später: und sie entlassen sie, den Teil, 
welcher die Schule absolviert, mit 18, 19, 20 Jahren. Das Gymnasium hat 
es mithin mit Kindern, Knaben und Jünglingen zu thun und mit dieser 
Thatsache hat, wenn irgendeiner, auch der Geschichtsunterricht als mit 
einem Fundamentalgesetz zu rechnen. Geschichtliches wird sich anders 
im Kopf des Kindes und des Knaben, anders im Kopf des Jünglings und 
anders in der Seele des Mannes oder des Greises spiegeln. Dies ist auch 
nie verkannt worden: so viel ich sehe, nehmen alle Stundenpläne deutscher 
Yollanstalten deshalb eine zweimalige Wanderung durch die Jahrhunderte 
in Rechnung und naive oder künstliche Vorschläge, welche einfach die 
Zahl der Klassen in den weltgeschichtlichen Stoff dividierten und jeder 
Klasse von Quarta bis Prima ihre Portion zuteilten, haben keinen Beifall 
gefunden. Wir finden, indem wir die Programme der deutschen Gymnasial- 
und Realanstalten durchmustern, im ganzen eine grosse Übereinstimmung, 
die uns unsere Aufgabe wesentlich erleichtert und es rechtfertigen wird, 
wenn wir zunächst von den Einrichtungen in Preussen und denjenigen 
Ländern, welche diese Einrichtung unmittelbar übernommen haben, aus 
gehen, nicht bloss weil sie dem Verfasser selbst am geläufigsten sind, son 
dern auch weil sich das Meiste, was sich aus ihrer Betrachtung ergibt, un 
schwer auf die übrigen Anstalten unseres Vaterlandes übertragen lässt. Hier 
in Preussen nun ist der geschichtliche Unterricht, in seiner Gesamtheit und 
einzelnen wichtigen Momenten, auf zahlreichen Direktorenkonferenzen be 
sprochen worden: etwa elfmal bis zum Jahr 1876, wo der bekannte Erler-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.