96 Bilder aus der brandenburg-preußischen und deutschen Geschichte.
gung der Pallissaden mit Leitern, Brettern, Beilen und anderm Sturmgeräth
und wieder in einiger Entfernung felgen die eigentlichen Sturmcolonnen. Im
ganzen waren der Stürmenden 9000 Mann.
Heldenthaten. Mit möglichster Schnelle waren aber auch die dänischen
Bataillone wieder in die Schanzen eingerückt. Man htzrte das Wirbeln ihrer
Trommeln; bald knatterten auch die Gewehre, und die Kartätschen sausten auf
die Preußen herab. Nichts aber vermochte den Muth der Preußen, denen ihre
Offiziere voranschritten, zu erschüttern; jeder war nur darauf bedacht, der erste
auf der Schanze zu sein. Tie von den Dänen, angelegten Bodenhindernisse
waren im Nu überdeckt; jeder Soldat hatte zu diesem Zwecke einen zur Hälfte
gefüllten Sandsack mitgenoinmen. Mühsamer war es, Ocffnungen in die Reihen
der Pallisaden zu machen. Aber es gelang. Eine Schanze wurde besonders
hartnäckig vertheidigt; da trat der Pionnrer Wilhelm Klinke mit seinem Pulver-
facke vor und rief: „Durch müßt ihr, Kameraden, und wenn es mein Leben
kostet." Er hängt den Pulversack an eine Pallissade, entzündet ihn und sinkt
todt nieder. Allein die Pfähle sind anseinandcr gerissen, und die Stürmenden
dringen ein. Eine andere Schanze hinan trägt Major von Beeren die Fahne
voran. Schon steht er auf der Brustwehr, da trifft ihn die tödtlick)e Kugel.
Auf einer dritten Schanze pflanzt Feldwebel Probst die Fahne auf.' Er wird
in den rechten Arm geschossen; da ergreift er mit der Linken den Säbel, um
das Siegeszeichen zu schützen; von einer Kugel und einem Bajonettstich tödtlich
getroffen, sinkt er bei der Fahne nieder.
Tic Verwundeten. Bald darauf waren sämmtliche Schanzen erobert,
und der Kampf war vorüber. Gleich den verwundeten Kameraden tvurden auch
die auf dem Schlachtfelde liegenden Feinde aufgesucht und aufgehoben. Das
Gewehr wurde zur Tragbahre. Die Verwundeten wurden in's Lazareth
getragen, wo Brüder des rauhen Hauses, Diakonissen und Johanniterritter das
Werk des barmherzigen Samariters an ihnen übten.
Wien. Einige Monate später wurde auch die Insel Alsen von den Preußen
erobert. Unterdeß waren auch die Oestcrreicher siegreich gewesen, und bald
war selbst Jütland sammt den friesischen Inseln in den Händen der Verbündeten.
Ganz Deutschland freute sich. Der Hohn und Spott fremder Völker über die
Uneinigkeit und die daraus entspringende Schwäche Deutschlands war verstummt.
Dänemark mußte die Herzogthümer abtreten. Schleswig kam darauf vorläufig
unter preußische, Holstein unter österreichische Verwaltung. Das Mitbesitzrecht
auf Lauenburg überließ Oesterreich dem König Wilhelm gegen eine Entschädigung
V0N 5 Millionen Mark. Nach Flügge u. a.
78. Der deutsche Krieg von 1866.
Uriache des Krieges. Bald nach dem dänischen Kriege entstanden um
die Verwaltung der Provinzen Schleswig-Holstein zwischen Preußen und Oester
reich Uneinigkeiten, welche zu dem Kriege von 1866 führten. Zu Österreich
standen alle mächtigeren deutschen Staaten (Baiern, Würtembera, Baden, Sachsen,
Hannover, Kurhessen, Hessen-Darmstadt, Nassau u. a.); zu Preußen, das sich
indeß mit Italien verbündet hatte, nur Mecklenburg, Oldenburg, Braunschweig,
Koburg-Gotha und ein paar andere Kleinstaaten.
1) Ter Feldzug in Böhmen. Mit Schnelligkeit ging es über die Oester
reicher her, deren Hauptmasse unter Benedek in Böhmen stand. Von drei
Seiten brachen (23.—26. Juni) die Preußen hier ein, durch die Lausitz die erste
Armee unter dem Prinzen Friedrich Karl, — von Dresden her die „Elb
armee" unter Herwarth von Bittenfeld, — von Landshut und Glatz aus
die „zweite Armee" unter dem Kronprinzen. Die entgegenstehenden Theile
des österreichischen Heeres wirrden zurückgeworfen. General Clam-Gallas
erlitt von der Elb- und ersten Armee harte Mederlagen. Drei andere öster
reichische Armeekorps wurden nach einander geschlagen.
Kölliggrätz oder Sadowa. Benedek sammelte das österreichische Heer bei
Königgrätz in Böhmen und nahm auf den Hügeln von Sadowa eine feste
Stellung ein. Unterdessen hatte sich der König Wilhelm I. nach dem Kampf-

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