Die alten Wenden in der Mark Brandenburg.
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6. Silber aus der draildendnrg-Prcllßilcheil
und deutschen Geschichte rc.

51. Die alten Wenden in der Mar! Brandenburg.
Einwanderung der Wenden. Vor der Völkerwanderung wohnten in
Brandenburg deutsche Völker. Diese wurden aber später verdrängt, und an ihre
Stelle traten die Wenden. Sie waren noch Heiden und glaubten an einen
guten Gott, Belbvg, und an einen bösen, Zernebog, den Schöpfer alles
Unheils in der Welt. Außerdem gab es noch viele Untergötter. Dieselben wurden
unter unförmlichen Bildern theils in Tempeln, theils in heiligen Hainen verehrt.
Einem der guten Götter, Radegast, war in Rhctra (in Mecklenburg) ein großer
Tempel geweiht, wo das heilige Banner für die Kriege aufbewahrt und nach
gewonnenen Schlachten große Opfer, selbst Menschenopfer, dargebracht wurden.
Die Wenden trieben frühzeitig Ackerbau, Viehzucht und Fischerei; in der Weberei
geübt, verfertigten sie ihre Kleider selbst. — Wincta auf der Insel Wollin war
ein Handelsplatz, wo Kaufleute aus allen Gegenden Bernstein und gewebte
Stoffe gegen andere Waaren eintauschten. — In jedem Hause hatte der Familien
vater unbeschränkte Herrschaft, selbst über das Leben seiner Angehörigen. Die
Frauen wurden fast wie Sklavinnen gehalten und bei dem Tode des Mannes
mit verbrannt. Gastfreundschaft war eine allgemeine Tugend der Wenden; ein
ungastliches Haus wurde der Zerstörung preisgegeben.
Kriege der Wenden mit den Deutschen. Schon früh mögen die Wenden
stämme an der Elbe mit ihren deutschen Nachbarn in viele blusige Fehden ge
rathen sein. Die erste sichere Kunde davon erhalten wir aber erst aus der Zeit
Karls des Großen. Dieser fand in seinen Kämpfen gegen die Sachsen
' Hilfe bei den Sorben und Obotriten, während andere nordische Stämme, be
sonders die Milzen, es mit den Sachsen hielten. Als es dem großen Franken
könig nach vielen harten Käinpfen gelungen war, die Götzenaltäre in Sachsen
umzustürzen, zog er auch zur Züchtigung der Wilzen ans und zwang sie zur
Unterwerfung und zur Zahlung eines Tributs. Um die Grenzen des Sachsen
landes vor weiteren Angriffen zu schützen, setzte er Markgrafen (oder Grenz
grafen) ein und errichtete Grenzvesten, wie Magdeburg, Zelle, Erfurt, Halle
(um das Jahr 800). Unter Karls schwachen Nachfolgern und bei den innern Strei
tigkeiten in seinem Reich konnten die Wenden nicht im Gehorsam gehalten
werden; sie unternahmen Raubzüge über die Elbe und zerstörten die gegen sie
errichteten Burgen.
Griiiidnng dcr Nordmark. Erst als Heinrich I., der Finkler, den
Frieden im Instern Deutschlands wieder hergestellt hatte, brachte er auch die
übermüthig gewordenen Wenden zur Unterwerfung. Er eroberte (925) die
Hauptveste des wendischen Landes, Brannybor (Brandenburg), erzwang
neue Zinszahlung und stellte die Grenzmarken mit den Besten wieder her.
Sein Sohn Otto l. setzte das begonnene Werk fort, eifrig unterstützt durch den
Markgrafen Gero. Er unterwarf die Wenden und Slaven weithin über die
Oder und setzte, um sie in Gehorsam svt halten, Markgrafen zu Meißen, in der
Lausitz und in der Nordmark (oder Salzwedel) ein. Aus der Nordmark ging
die spätere Mark Brandenburg und der preußische Staat hervor.
Die Bekehriiilgsversnchc. Mit Waffengewalt allein war der starre Wider
stand der heidnischen Wenden nicht zu bezwingen; Otto versuchte deshalb, sie
zum Christenthum zu bekehren, um sic auf diese Weise von innen heraus umzu-
wandeln. Er stiftete zunächst an den Grenzen des Landes und später auch zu
Brandenburg christliche Bisthümer, von wo das Werk der Bekehrung geleitet
werden sollte. Die Bekehrungsversnche hatten jedoch die längste Heit nur
, schwachen Erfolg und reizten die Wenden nur zu heftigerem Widerstand.
Immer von neuem erhoben sich dieselben in wildem Aufruhr, verjagten die

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