[Sie alten Deutschen.^
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wirklich seine Gegner. Nun wurde das Heidenthum unterdrückt und das Christen
thum zur herrschenden Religion gemacht.
'Roms Ende. Der Kaiser Theodosius theilte das Reich unter seine beiden
Söhne, so daß es fortan ein weströmisches oder abendländisches Reich (mit der
t auptstadt Rom) und ein oströmisches oder morgenländisches Reich (mit der
auptstadt Constantinopel) gab. Das weströmische Reich erreichte tut Jahre 476
sein Ende, als Romulus Angustulus von dem deutschen Feldherrn Odoaker vom
Throne gestoßen wurde. Das oströmische Reich bestand noch ein ganzes Jahr
tausend, bis es die Türken eroberten.
ß. Lilder |aii0 der deutschen Geschichte rc.
23. Die alte» Deutschen.
Grenze» und Natur des Landes. Die Grenzen des alten Deutschland
waren: der Rhein, die Donau, die Weichsel, die Nord- und Ostsee. Es war
Än unwirthliches Land voller Sümpfe und Wälder und mit feuchter und kalter
Luft. Die Natur lieferte Beeren, wildes Obst, Wurzeln und besonders große
Rettige. Der Anbau beschränkte sich in den Wildnissen auf geringe Stellen, und
man gewann nur Gerste und Hafer. Obst und Wein kam erst durch die Römer
an den Rhein. Die Bewohner züchteten viele Rinder und Pferde; in den Ur
wäldern aber hausten der Auerochs (Ur), das Elenthier, der Bär und der Wolf.
Natur und Sitten der Deutschen. Die Deutschen waren ein großes, starkes
Volk mit blondem Haar und blauen Augen. Ihre Feinde, die Römer, rühmten
an ihnen Treue und Redlichkeit. Treu waren sie in der Ehe, in der Freund
schaft, treu ihrem Heerführer und ihrem gegebenen Wort. Ihre Tapferkeit und
ihren Muth hatten die Römer mehr als einmal kennen gelernt. Die persönliche
Freiheit lichten sie über alles. Die Frauen ehrten sie hoch; eine Beleidigung
derselben wurde hart bestraft. Die Gastfreundschaft wurde allgemein gepflegt.
Ueberhaupt vermochten bei ihnen gute Sitten mehr als anderswo gute Gesetze.
Kleidung, Wohnung und Beschäftigung. Die Kleidung der Deutschen
bestand aus Fellen oder aus Leinengewändern, welche die Frauen webten. Die
Wohnungen lagen zerstreut und waren von den zugehörigen Feldern umgeben,
Dem Städteleben war das Volk abgeneigt. Ackerbau wurde wenig getrieben,
mehr die Viehzucht. Die Hauptbeschäftigung des Freien war Jagd und Krieg.
Darum hielt mau auch Waffen, Schwert, Lanze und Schild in hohen Ehren.
Durch die Uebergabe der Waffen in der Volksversammlung wurde der Jüngling
zum Mann; sie waren ihm unzertrennliche Begleiter und wurden ihm mit ins
Grab gelegt; bei ihnen schwur er die Eide. Sonst lag der Deutsche unthätig
ans der Bärenhaut; denn die Sorge für das Hauswesen und das Feld war den
Frauen, Greisen und Knechten überlassen. Bei den Gastmählern ging Keißig
der Becher herum, gefüllt mit Bier und Meth, während die Thaten der Helden
von Sängern gepriesen wurden. Der größte Fehler der Deutschen war die
Neigung zum Trunk und Spiel. Manche verspielten sogar ihre Freiheit.
Gemeindclcbcn. Das Volk zerfiel in Freie und Unfreie. Zu den Freien,
welche zugleich die Wehrfähigen waren, gehörten vor allein die Grundbesitzer.
§ Du vornehmsten Geschlechter bildeten den Adel. Zu den Unfreien gehörten die
origen oder die freiwillig Dienenden und die leibeigenen Knechte. Mehrere
reie mit ihrem Eigenthum bildeten eine Mark oder Gemeinde, mehrere Marken
einen Gau, mehrere Gaue eine Völkerschaft. Ueber allgemeine Angelegenheiten,
Gesetze, Krieg und Frieden, wurde in der Volksversammlung entschieden, »voran
nur die Freien Antheil hatten. Hier wurden auch die Oberhäupter, die Heer
führer oder Herzöge, die Gaurichter oder Grafen, getvählt. Der Deutsche er
kannte keine anderen Richter über sich, als die ihm gleichen Männer eines Gaues.

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