Full text: Geschichtsbilder für Volksschulen

Assyrien, Babylonien, Medien, Persien. 
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befohlen, und wurde deshalb von diesem gezüchtigt. Darüber beklagte sich jener bei 
seinem Vater, und letzterer erzählte den Vorfall dem Astyages. Nun mutzte Cyrus 
vor dem Könige erscheinen und vertheidigte freimüthig sein Verfahren. Dem 
Könige fiel der Knabe auf, und bald brachte er aus dem Hirten heraus, daß 
Cyrus sein Enkel sei. Von den Magiern beruhigt, ließ er den Cyrus leben; 
aber an Harpagus nahm er grausame Rache, indem er ihm sein eigenes Kind 
als Speise zubereitet vorsetzte. 
Cyrus stiftet das Persische Weltreich. Als Cyrus bei den Persern zum 
Jünglinge herangewachsen war, forderte ihn Harpagus brieflich auf, mit seinen 
Landsleuten von den Medern abzufallen. Alsbald ließ Cyrus die vornehmen 
Perser zu sich kommen und befahl ihnen, ein großes Feld voller Dornengebüsche 
urbar zu machen. Am folgnden Tage bewirthete er sie auf's herrlichste. Dies 
gefiel ihnen natürlich besser als die harte Arbeit, und Cyrus stellte ihnen nun 
vor, daß sie es immer so gut haben könnten, wenn sie das Joch der Meder 
abschütteln und sich frei niachen wollten. Dazu waren die Perser bereit, und die 
Empörung brach ans. Astyages wurde geschlagen und gefangen genommen und 
die Herrschaft der Meder ging an die Perser über. 
Krösus, Solo» und Cyrus. Nun dehnte Cyrus seine Eroberungen nach I 
Westen aus. Im westlichen Kleinasien lag das mächtige lydische Reich mit der 
Hauptstadt Sardes. Der damalige König Krösus war weit und breit bekannt 
durch seine unermeßlichen Reichthümer. Oft empfing er an seinem Hofe die ■ 
Besuche berühmter Männer; auch der weise Athener Solon kam zu ihm. Im ! 
stolzen Gefühle seines Glückes ließ ihn Krösus durch seine Schatzkammern führen J 
und ihm alle seine Reichthümer zeigen. Darauf fragte ihn der König, wen er 
sür den glücklichsten Sterblichen halte, in der festen Ueberzeugung, Solon werde 
ihn nennen. Aber dieser nannte zuerst den Athener Teilns, der bei ausreichen 
dem Verniögen schöne und wohlgerathene Söhne und Enkel gehabt, im sieg 
reichen Kampfe wider die Feinde seines Vaterlandes gefallen und von seinen 1 
Mitbürgern an der Stätte, wo er den Tod gefunden, begraben worden sei. 
Weiter befragt, nannte er an zweiter Stelle zwei Jünglinge, Kleöbis und 
Biton, Söhne einer Priesterin in Argos. Er erzählte, einst hätte die Mutter 
zu einem Opfer in den Tempel fahren müssen, und als die Zugthiere aus 
geblieben, hätten sich die Jünglinge selbst an den Wagen gespannt und denselben 
m den Tempel gezogen. Da habe die Mutter zum Lohne für die Söhne er 
fleht, was den Menschen das Beste sei, worauf diese im Tempel entschlafen und 
nicht wieder erwacht wären. Als hierauf Krösus seinen Unwillen äußerte, daß 
der athenische Werse sein Glück nicht einmal dem geringen Bürger gleich achte, 
gab ihm dieser die bedeutsame Antwort: „Niemand ist vor dem Tode 
glücklich zu preisen". Da Cyrus später gegen Krösus heranzog, schickte 
dieser nach Griechenland zum delphischen Orakel, um von den Göttern zu er 
fahren, was er thun solle. Die Antwort lautete: „Wenn Krösus über den Halys 
zieht, so wird er ein großes Reich zerstören". Dies bewog ihn zum Kriege gegen 
Cyrus. Aber bald war das Land, die Stadt Sardes und sogar er selbst in 
den Händen des Feindes. Schon stand er auf dem Scheiterhaufen, um den 
Feuertod zu sterben; da gedachte er des weisen Atheners und rief dreimal den 
Namen Solon. Cyrus wurde aufmerksam, ließ sich die Unterredung mit Solon 
erzählen und schenkte Krösus das Leben. 
Cyrus Ende. Ganz Kleinasien nebst den griechischen Kolonien an der 
WesMste wurde eine Beute der Perser, ebenso gauz Syrien. Darauf wandte 
sich Cyrus gegen Babylon und eroberte (538) die feste Stadt, indem er den 
Euphrat ableitete. Zuletzt griff er die Massageten an, ein Nomadenvolk im 
heuttgen Turan, erfocht zwar durch List einen Sieg über sie, wurde aber bald 
darauf geschlagen und verlor selbst das Leben. Seinen Kopf steckte die feind 
liche Königin Tämyris in einen mit Blut gefüllten Schlauch mtt den Worten: 
„Run trink' dich satt am Blut, unersättlicher Cyrus". 
Religion der Perser. Die Perser waren damals noch ein einfaches, kräftiges 
Bergvolk. Die Jugend wurde körperlich abgehärtet, im Reiten und Bogenschießen 
geübt und besonders pr Wahrhaftigkeit und Dankbarkeit angehalten. Die von 
Zoroaster gestiftte Religion der Perser war ein Licht- und Feuerdieust. Sie 
glaubten an ein Reich dcS Lichtes oder des Guten unter dem Gotte Ormuzd
	        

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