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teristisches Moment hervortraten. Schließlich rechnete
man dann noch Krankheiten hinzu, deren Symptome sich
mit denen unserer heutigen Chorea ganz oder teilweise
deckten.
Sydenham war der erste, welcher den Symptomen-
komplex der heutigen Chorea minor, wenn auch nicht in
vollkommen zutreffender Weise, beschrieb; er legte seiner
Beschreibung ein Krankenmaterial von 5 Fällen zu Grunde.
In Deutschland hatte diese Veröffentlichung Sydenhams
nur den Erfolg, daß die auf dem Gebiete des Veitstanzes
herrschende Verwirrung noch mehr vergrößert wurde, man
reihte nämlich die Sydenhamsche Chorea in die große
Gruppe der Tanzkrankheiten als eine neue Erkrankung ein.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden nun von ver
schiedenen Seiten Versuche unternommen, System in die
Veitstanzfrage hineinzubringen. So wollte Wi c hman n
im Jahre 1801 eine Chorea Anglorum von einer Chorea
Germanorum unterschieden wissen, welch letztere sich
durch die größere Intensität der Bewegungen auszeichnen
sollte. Wicke wollte den Ausdruck Veitstanz nur auf
den deutschen anwenden, welchen er als den „großen
Veitstanz“ bezeichnete, während er für die Sydenhamsche
Chorea den Namen „unwillkürliche Muskelbewegungen“
vorschlug. Es ist das Verdienst v. Ziemssens, die auf
diesem Gebiete herrschende Unklarheit gelichtet zu haben;
dieser wies nämlich darauf hin, daß die Chorea major
keinesfalls als selbständige Erkrankung aufgefasst
werden dürfte, sondern in das Gebiet der Hysterie und
der Psychosen verwiesen werden müsse. Vor v. Ziemssen
hatte schon Gittermann im Anfang des 19. Jahrhunderts
ähnliche Ansichten ausgesprochen, die jedoch damals
nicht beachtet wurden.
Wenn nun auch nach den Veröffentlichungen v.
Ziemssens die Chorea major als nicht selbständige Er
krankung ad acta gelegt worden ist, so ist doch auch
heutzutage die Bezeichnung Chorea noch nicht absolut
eindeutig. Wir unterscheiden nämlich jetzt eine Chorea
minor, oder, wie man nach dem Vorschlag von Wollen

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