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inonie eine äußerst wichtige Rolle zu; sie entsteht sehr
häufig auf Grund einer durch die Zuckungen bedingten
Aspiration von Speisen während der Mahlzeiten.
Wie aus dem Obenerwähnten hervorgeht, ist die
Prognose der Krankheit absolut ungünstig, zumal die The
rapie bis jetzt nicht imstande gewesen ist, das stetige
Fortschreiten der Krankheit zu verhindern, sondern stets
eine symptomatische geblieben ist. Eine Heilung der Er
krankung ist in keinem Falle beobachtet.
Mit ein paar Worten möchte ich noch auf eine Frage
eingehen, welche in der Literatur eine vielfache Er
örterung gefunden hat, nämlich ob die Huntingtonsche
Chorea als eine selbständige Erkrankung aufgefaßt werden
muß, oder ob man sie nur als eine Abart der gewöhn
lichen Chorea zu betrachten hat. Verschiedene Autoren,
wie Charcot, Huet, Jolly u. a., haben den Anspruch
dieser Erkrankung auf Selbständigkeit entschieden in Ab
rede gestellt. Dagegen treten die meisten neueren
Autoren, unter ihnen auch Wollenberg, unter Hinweis
auf die fundamentalen Unterschiede beider Krankheiten
für eine strenge Trennung derselben ein.
Im Anschluß an diese kurze Erörterung über das
Wesen der chronischen progressiven Chorea möchte ich
nun die Beschreibung eines neuen Falles dieser Er
krankung geben, der kürzlich in der psychiatrischen und
Nerven-Klinik in Kiel zur Beobachtung kam:
Es handelt sich um einen 50jährigen Fuhrmann.
Patient gibt’an, daß er von geistig gesunden Eltern ab
stamme, doch soll der Vater stark getrunken und sich
wenig um seine Kinder gekümmert haben. Patient wurde
deswegen früh in eine Erziehungsanstalt am Harz ge
bracht, wo er 5 Jahre verblieb. In der Schule ist er an
geblich gut vorwärts gekommen, hat sogar für gute
Leistungen Prämien bekommen. Dann hat er bis zu
seinem 30. Lebensjahr beim Bauern gedient. Später hat
er geheiratet und als Fuhrmann sein Brot verdient. Er
hat 7 Kinder gehabt, von denen 3 leben. In den letzten
8 Jahren will er nicht gearbeitet haben, sondern immer

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