10
Nerven- oder Geisteskrankheiten in der Familie des Er
krankten nicht festgestellt werden. — Müller gibt im
Jahre 1903 in der deutschen Zeitschrift für Nervenheil
kunde die Krankengeschichte eines 47jährigen an Chorea
chron. progr. leidenden Mannes, der nach den ganz be
stimmten Angaben der Verwandten in seiner Familie der
erste an einem derartigen Leiden Erkrankte ist. Auch
andere Nervenkrankheiten sollen in der Familie sonst nie
aufgetreten sein. Der Patient fiel im September 1897 von
einem Baum herunter und zog sich dabei eine Ver
letzung am Fuße zu. Durch den hierdurch verursachten
Schreck sind — nach der Überzeugung des Patienten —
seine Nerven so angegriffen worden, daß kurz nach dem
Unfall die jetzige Krankheit zum Ausbruch kam. —
Westphal beschreibt in der Münchener Medizinischen
Wochenschrift 1904 einen Fall von Huntingtonscher Chorea,
bei dem trotz genauester Erkundigungen keine hereditäre
Belastung eruiert werden konnte. Der 41jährige Mann
erkrankte im Anschluß an ein schweres Trauma; er stürzte
3 Stock hoch von einem Gerüst herunter und zog sich
Verletzungen am Kopf und am Kreuzbein zu ohne Knochen
bruch. Kurz nach seiner Entlassung aus dem Kranken
haus traten bei dem Patienten die ersten choreatischen
Zuckungen auf.
Fassen wir das oben Erwähnte noch einmal kurz
zusammen, so sehen wir, daß die Chorea chron. progr.
zumeist auf dem Boden der homologen Heredität entsteht;
in zweiter Linie kommt die polymorphe Heredität in Be
tracht. Schließlich gibt es noch eine kleine Anzahl von
Fällen, bei denen trotz sorgfältigster Anamnese in der
Ascendenz nichts von Nerven- oder Geisteskrankheiten zu
entdecken ist. Nach Wollenberg hat man die Kranken
der letzten Gruppe, jedenfalls zum Teil, als Ausgangs
punkte neuer Choreafamilien aufzufassen.
Mit der Erwähnung der Fälle Müller und Westphal
kommen wir auf ein neues Moment, das für die Ent
stehung der Huntingtonschen Chorea von Bedeutung zu
sein scheint, das Trauma. Auch Oppenheim hat in

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.