13
Zu diesen Fällen gehört auch der mir von Herrn
Geheimrat Prof. Dr. Siemerling gütigst überlassene Fall,
bei dem man intra vitam die Diagnose auf »Tumor cerebri,
ohne sichere Angabe der Lokalisation, vielleicht hintere
Schädelgrube links«, stellte.
Es handelt sich um die 27 jährige Frau Anna J.
Anamnese. 8. II. 05.
Die 1880 geh. Patientin war als Kind an Typhus er
krankt, mit 20 Jahren hatte sie eine Nervenentzündung am
rechten Arm; in diesem Winter habe der rechte Arm auch
an derselben Stelle weh getan. Mit 22 Jahren leichte Lungen
entzündung. Erste Menses mit 15 Jahren, anfangs unregel
mäßig, blieben dann ein Jahr lang aus und kamen dann
wieder. Seit 1900 verheiratet. Drei gesunde Kinder, eins
ist bald gestorben. Kein Abort. Keine Heredität.
Vor IV2 Jahren, im August 05, wurde Patientin vom
Blitz getroffen (kalter Schlag). Es waren keine Verbrennungen,
keine Krämpfe zu bemerken. Die linke Seite sei mehr ge
troffen, Ohrensausen links. Patientin lag einige Stunden
bewußtlos. Sie sei ganz steif und gelähmt gewesen (5 Stunden
lang). Der Arzt sagte, es sei eine Nervenerschütterung.
Seitdem hat sie manchmal, vielleicht im Ganzen drei
mal, heftige Kopfschmerzen gehabt, die einige Tage dauerten,
Schwindel habe sie schon immer gehabt, das läge in der
Familie, Mutter und Schwestern hätten es alle.
Seit Vs Jahr hat Patientin jetzt beständige Kopf
schmerzen, die mitunter so heftig werden, daß ihr grün und
blau vor den Augen wird; sie muß sich dann setzen. Dabei
besteht weder Übelkeit noch Erbrechen, auch ist sie nie
hingefallen, Die Anfälle dauern ca. 10 Minuten und treten
täglich 1—3 mal auf, früher nicht so oft.
Im übrigen fühlt sie sich ganz wohl, kann ihre Arbeit
machen, nur nicht Handarbeiten. Beim Nähen bekommt
sie Schmerzen über der Stirn und nachts so heftige Kopf
schmerzen, daß sie davon erwacht; sonst ist der Schlaf ganz
gut.
In der letzten Zeit ist der Schwindel heftiger; es wird
ihr schwarz vor den Augen, sie fällt nicht, muß sich setzen,

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.