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bevor sie zur Rinde gelangen, in eine Beziehung zum Seh
hügel treten. Er vermutet, daß jedes dieser Organe im
Thalamus bilateral vertreten sei, sodaß die Läsion eines
Sehhügels keine wesentliche Ausfallserscheinungen zu be
dingen braucht. In der Mehrzahl der Fälle erzeugen sie
jedoch eine Reihe von Störungen, unter denen am häufigsten
die Hemiplegie und gewisse motorische Reizerscheinungen
(Hemichorea, Ilemiathetosis) beobachtet werden. Ebenso
gehört zur Symptomatologie derselben der Tremor, die
Zwangshaltungen und -Bewegungen, die halbseitigen Con-
vulsionen, die Monoplegie, die Hemianästhesie und ent
sprechende sensible Reizerscheinungen, die Hemianopsia con-
tralateralis, die Augenmuskellähmungen etc. (besonders die
Mydriasis des gekreuzten Auges).
Keine von diesen Erscheinungen kann mit Bestimmtheit
als Herdsymptom angesprochen werden. Es ist jedoch
wahrscheinlich, daß die Hemiathetose und Hemichorea durch
die Läsion des Thalamus selbst bedingt werden, wenn es
auch damit keineswegs ausgeschlossen ist, daß die Affektion
anderer Teile dieselben Erscheinungen verursachen kann.
Mit großer Bestimmtheit läßt sich dies noch von der von
Nothnagel beschriebenen mimischen Lähmung des contra
lateralen Gesichtsnerven aussagen. Ob die Hemianopsie
durch die Läsion des Thalamus selbst bedingt ist, oder
immer von der Beteiligung benachbarter Bahnen und Kerne
abzuleiten ist, ist eine vorläufig nicht zu entscheidende Frage.
Die Hemiplegie ist sicher, die Hemianaesthesie wahrscheinlich
meistens auf die Schädigung der in der inneren Kapsel ver
laufenden Faserzüge zurückzuführen, also als Nachbarschafts
symptom zu betrachten; doch kann aller Wahrscheinlichkeit
nach auch eine sich auf den Thalamus beschränkende Af
fektion, besonders wenn sie den ventralen Kern trifft, Ge-
fühlstörungen^verursachen.
Aus diesen Darlegungen geht hervor, daß Geschwülste
des Thalamus sehr mannigfache und sehr vieldeutige Er
scheinungen machen können und daß sie wegen der oft
ganz unbestimmten Symptome intra vitam häufig nicht lo
kalisiert werden hönnen.

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