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ein auffälliges Merkmal des Jäger sehen Coccus, das später noch
Lepierre hervorgehoben hat, sehr deutlich zeigt: die Trennungslinie
der Diplokokken in der Längsrichtung der Kette. Sie kommt bei der
Gr am-Färbung nicht zum Vorschein, kann aber durch Methylenblau
oder Giernsa-Lösung leicht dargestellt werden. Das Meningokokken
serum agglutinierte die beiden Stämme nicht (der Diplococcus
crassus wurde nach v. Lingelsheim agglutiniert), und wenn sie
demnach auch nicht als Diplococcus crassus bezeichnet werden
dürfen, so gehören sie doch jedenfalls zu jenen Mikroorganismen, die
in der Geschichte des Meningococcus so große Verwirrung ange
richtet haben.
Noch weniger gelingt eine nähere Klassifizierung bei den folgenden
Befunden. Es wurden aus drei klaren Cerebrospinalflüssigkeiten, in
denen das direkte Präparat nichts oder ganz vereinzelt etwas unsichere
Diplokokken auffinden ließ, durch Kultur auf Loeffler-Serum und
Ascitesagar polymorphe Keime gezüchtet. Zwei von ihnen, im folgenden
als Stamm I und II bezeichnet, erwiesen sich bei genauerer Verfolgung
als gleich, der dritte (Stamm III) wich etwas ab.
Stamm I und II. Im Mikroskop sieht man (Fig. 1—4):
1) Diplokokken, von denen beide Teile rund sind oder oval, keine
Semmelformen;
2) Ketten von 20 und mehr Kokken;
3) Einzel- und Doppelkokken, die bedeutend größer sind und stärker
gefärbt als die übrigen;
4) Stäbchen von der Breite der erstgenannten Kokken, aber von ganz
verschiedener Länge. Oft sind es Fäden, die, leicht gebogen, sich
durch das ganze Gesichtsfeld ziehen.
Bei dem ersten Stamm (Fig. 1 u. 2) überwiegen aus den meisten
Kulturen die Kokkenformen, die da, wo sie eine Kette bilden, einigemal
von einem feinen Schlauch überzogen zu sein scheinen. Bei dem zweiten
Stamm (Fig. 3 u. 4) ist die Bildung langer Fäden etwas seltener, die
mittellangen Stäbchen überwiegen. Manchmal hat ein Faden an einem
Ende deutliche Kugeln, und man sieht den allmählichen Uebergang in
längere Formen, bis der kontinuierliche Faden daraus geworden ist.
Stamm III (Fig. 5 u. 6) unterscheidet sich von den beiden ersten
dadurch, daß neben den Kokken und Fäden sehr oft Spindelformen ent
stehen mit langen zugespitzten Enden, die manchmal in Kugeln zerfallen.
Die breiteste Stelle der Spindel wird oft von einer helleren, schwach
gekörnten Zone eingenommen, so daß die stark gefärbten Teile aussehen
wie zwei mit ihrem dicken Ende aufeinander gesetzte Keile mit einem
schwach gefärbten Zwischenstück.
Nach Gram entfärben sich bei allen 3 Stämmen die Kugelformen
sowohl als die Stäbchen und Fäden, und nur die ganz dicken, auf
getriebenen Formen erscheinen manchmal dunkelviolett. Diese viel
gestaltigen Bilder entstehen, einerlei, ob man die Präparate von 9- oder
24-stündigen Kulturen anfertigt. Rand und Mitte einer Kolonie bieten
keinen Unterschied in den Formen. Nur Traubenzuckerzusatz zum
Nährboden scheint eine Rolle zu spielen, indem dann mehr Kokken
formen zu sehen sind. In der Strichkultur auf schrägerstarrtem Agar
finden sich in der Regel nur Stäbchen, keine längeren Fäden.
Auf den Nährböden wachsen die 3 Stämme, wie folgt:
Gelatine: Gutes Wachstum bei Zimmertemperatur. Stamm I
und II verflüssigen nicht, Stamm III verflüssigt.

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