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Am 17. Juni Blutentnahme. Agglutination mit dem eigenen Stamm 1413 in allen
Verdünnungen bis 1: 800 positiv. Eine fast ebenso hohe Agglutination ergab sich mit
mehreren anderen Stämmen. — Nach 2 Monaten, am 6. Aug. (Gewicht 2550 g, das
Tier ist trächtig), 5 Oesen in die Ohrvene.
Am 9. Aug. Entnahme. Das Serum agglutiniert den Stamm 1413 nur noch in
Verdünnung 1: 50. Durch zwei gleich starke Injektionen im September konnte der
Titer wieder bis auf 500 gebracht werden. Das Tier reagierte nie mit Krankheits
erscheinungen auf die Einspritzung, wurde sogar in dieser Zeit zweimal trächtig.
Von den übrigen Tierversuchen ergaben die an 4 Mäusen (je
3 Oesen intraperitoneal) 3mal schweres Kranksein von 1—2-tägiger
Dauer, lmal den Tod des Tieres; an einem Meerschweinchen, das
kokkenhaltige Cerebrospinalflüssigkeit intraperitoneal erhielt, Tod inner
halb 24 Stunden mit Befund typischer Meningokokken im Peritoneum,
in Milz und Herzblut. 2 Tauben, die je V2 Kultur von einem Ascites
agarröhrchen intravenös oder in die Leibeshöhle erhielten, erkrankten
nicht.
Andere Mikroorganismen in Punktionsflüssigkeiten.
Bei den wegen Meningitisverdachts eingesandten Cerebrospinal
flüssigkeiten erlebt man es fast nie, daß nach Aussaat größerer Mengen
die Platten gänzlich keimfrei bleiben; wenigstens gilt dies, wo die Proben
unter den schwierigen Bedingungen der Praxis entnommen worden sind
und danach viele Stunden durch die Versendung bis zur Verarbeitung
verstrichen sind. Bei Abwesenheit von Meningokokken ist ein Urteil
über die ätiologische Bedeutung andersartiger Befunde oft sehr schwierig,
und es ist jedenfalls größte Vorsicht erforderlich. Aus der Geschichte
der Genickstarre ist bekannt, welch verhängnisvolle Rolle die Verun
reinigungen und zufälligen Beimengungen gespielt haben. Neben den
sehr gewöhnlichen Staphylokokken fand ich so auf den Kulturen wieder
holt Pseudodiphtheriebacillen und gramnegative Stäbchen verschiedener
Art, besonders nach Aussaat von 0,5—1 ccm, ohne daß deswegen die
Annahme berechtigt gewesen wäre, daß sie ursprünglich in der Spinal-
tiüssigkeit vorhanden waren oder gar zu dem Krankheitsprozeß in Be
ziehung ständen. Da sie häufig auf der Haut Vorkommen, können sie
ebenso leicht daher stammen, und eine Feststellung darüber, ob und wie
oft auch solche Keime in die Meningen verschleppt werden, muß am
Krankenbett oder an der Leiche gemacht werden unter peinlichster
Sauberkeit bei der Entnahme des Materials und sofortiger Aussaat.
Immerhin ist nach den Untersuchungen v. Lin gelsheims nicht
mehr daran zu zweifeln, daß es mehrere Keime gibt, die oft neben dem
eigentlichen Erreger in den erkrankten Meningen Vorkommen, unter
ihnen in erster Linie der Diplococcus crassus, den er für identisch
mit dem Mening«coccus Jäger-Heubner hält. Anfangs wurde
von mir nicht besonders nach ihm gesucht; jedoch fand ich in der
letzten Zeit auf Kulturen von zwei Fällen semmelförmige Diplokokken,
die sich gegenüber der Gr am-Färbung stets zweifelhaft erwiesen, und
die auf Agar und Ascitesagar kleine, ziemlich undurchsichtige Kolonieen
bilden. Allerdings stimmen diese beiden Stämme nicht miteinander
überein, da der eine Gelatine verflüssigt und Milch zur Gerinnung bringt,
was der Diplococcus crassus nach v. Lingelsheim nicht tut.
Nur der zweite würde in seinem Wachstum diesem gleich sein, wenn er
nicht jene 7 Zuckerarten sämtlich spaltete, während der Diplococcus
crassus Mannit nicht angreift. Wichtig ist jedoch — und darum sei
er hier erwähnt — daß dieser C 0 c c u s, der auch kurze Kettchen bildet,

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