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Das übersandte fuchsingefärbte Ausstrichpräparat zeigte in der Tat
fast nur Diplobacillen in großer Zahl, ganz ähnlich den Morax-Axen-
feldschen. Sie erwiesen sich aber im Gegensatz zu diesen als gram
positiv.
Von dem übersandten mit Mundsekret beimpften Agarröhrchen
wurden Oberflächenkulturen auf Blutagar- und Löffler-Serumplatten
angelegt. Hier wuchsen nun nahezu in Reinkultur charakteristische Ko-
lonieen. In den Einzelkolonieen fanden sich aber merkwürdigerweise
nur ganz vereinzelte typische D ipl obacil le n - Formen, meist sah man
aneinander gereihte Diplokokken, aber dann und wann auch Ueber-
gänge, derart, daß ein Stäbchen eines Diplobacillus eine Einschnürung
in der Mitte zeigte, so daß es wohl einem Diplococcus entsprach.
Auf anderen Nährböden, besonders in Bouillon, wuchs der Keim meist
ganz streptokokkenartig.
Von den bekannten Streptokokkenformen unterscheidet sich der Keim
schon durch seine lange Lebensdauer. So blieb er im 36“-Schrank
auf neutralem Agar, durch Watteparaffinverschluß gegen Austrocknung
geschützt, stets länger als ein halbes Jahr am Leben.
Auf Blutagar nach 24 Stunden x / 2 —1 mm breite Kolonieen, die
dem Nährboden auffallend fest anhaften, nach 48 Stunden beginnt die
Bildung eines grünlich verfärbten Hofes, bei schwacher Vergrößerung
erscheinen die Kolonieen bald mit unregelmäßigem höckerigen Rand,
bald eigenartig fächerförmig.
Bei Zimmertemperatur kein Wachstum auf Agar oder Gelatine.
Auf Agar bleiben die Kolonieen sehr klein. Charakteristisch war
bei Verteilungskulturen in Traubenzuckeragarröhrchen ein
zonenartiges Wachstum, ganz ähnlich dem, wie es bei anderen
Kulturen von Reiner Müller, dann von Gräf und Witt neben be
schrieben worden ist. So war beispielsweise in einem solchen Röhrchen
oben eine bis 9 mm herabreichende Kolonieenzone zu sehen, dann folgte
eine 6 mm hohe kolonieenfreie Schicht, dann darunter bis zum Boden
wieder Kolonieenwachstum. — Diese Eigenschaft zeigte der Stamm auch
nach 2-jähriger Weiterzüchtung noch in ausgesprochener Weise. Die obere
Kolonieenschicht erscheint meist etwas eher. — Die untere Kolonieen-
schicht fehlt in gewöhnlichem neutralen Agar oft ganz.
In Bouillon finden sich schon nach 24 Stunden schöne Griesel
chen, die ungewöhnlich fest sind, als wären die Keime durch Kitt
substanz verklebt. Der Nährboden selbst bleibt klar.
Auf keiner der kohlen hydrathaltigen Lackmusascitesagarplatten
entstand durch das Wachstum eine Rötung (Tabelle II E 14).
Im Tierversuch war keine Pathogenität festzustellen, Meer
schweinchen subkutan, intraperitoneal und intracardial, einem Huhne
intravenös, Mäusen subkutan eingeimpft, rief der Keim keine Er
krankung hervor.
Zusammenfassung.
Bisher diente fast ausschließlich der Blutagar zur Unterscheidung
der Streptokokkenformen. Ihn werden wir auch ferner zu diesem Zweck
gebrauchen. Ermöglicht er uns doch die Unterscheidung z. B. der
Pyogenes-Gruppe A. I von der Saprophyticus-Gruppe D., wo
uns die Kohlenhydratnährböden, durch die ja beide Gruppen gleichmäßig
verändert werden, im Stich lassen würden. Trotzdem kann es nur von

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