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ständig ist, so tritt lebhafte Oxydation ein, sobald die sonst langsam
verlaufende Reaktion durch Gegenwart eines Katalysators, z. B. von
platiniertem Platin, beschleunigt wird. Unter der gemachten Voraus
setzung muss platiniertes Platin, wenn es in Oxalsäurelösung von Sauer
stoff umspult wird, dasselbe Potential annehmen, welches es bei dem
Zersetzungspunkte von Oxalsäurelösung zeigt. Ein Versuch bestätigte
das. Da nun im ersten Palle sicher Sauerstoff das oxydierende Agens
ist, muss man annehmen, dass auch im zweiten Palle die Oxydation
durch seine Vermittlung oder die eines ihm nahe stehenden Stoffes,
wie Wasserstofftetroxyd erfolgt. Dass der Zersetzungspunkt an plati
niertem Platin niedriger liegt als an blankem, was ebenfalls diese Ver
suche ergaben (je nach der Güte der Platinierung schwankt er um
0-8 Volt), darf uns nicht wundern, weil hier offenbar noch katalytische
Vorgänge mitspielen.
Man muss annehmen, dass auch in vielen andern Fällen die ano
dische Oxydation auf die intermediäre elektrolytische Bildung von
Wasserstofftetroxyd zurückzuführen ist. Pür die anodische Oxydation
von Thiosulfat zu Tetrathionat ist kürzlich von Thatcher 1 ) bewiesen
worden, dass sie an platiniertem Platin nicht, wie man glauben könnte,
durch Entladung von S 2 0 3 "-Ionen bewirkt ward:
2 S 2 0 3 " = SA"+ 2©,
sondern infolge einer chemischen Oxydation durch irgend ein Oxyda
tionsmittel, vielleicht Sauerstoff, erfolgt, welches sich primär auf elektro
lytischem Wege bildet. Er sagt über diese Reaktion wörtlich: „Beim
Stromgang geht also folgendes vor sich:
0 -j— 2 (+) * 1 |., 0 2
SA" + O” AAjA + 2 SA".
Der Vorgang bildet daher einen Fall von Übertragungskatalyse, worin
O-Ion oder Sauerstoff den Katalysator darstellt.“ — — —
„Der ganze Elektrodenvorgang ist ein Kreisprozess, in welchem die
in Betracht kommenden Hydroxyl- oder Sauerstoffionenmengen durch
diejenigen geringep Mengen repräsentiert werden, welche von dem ge
lösten Sauerstoff herrühren.“
Thatcher ist also vollkommen in Übereinstimmung mit meiner
Hypothese bis auf den einen Punkt, dass nach ihr nicht die Hydroxyl-
oder Sauerstoffionen, sondern die OOH'-Ionen für den Kreisprozess in
Betracht kommen.
') Zeitschr. f. physik. Chemie 47, 641 (1904).

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