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7. Elektrolytische Ozonbildung und Ozonpotential.
Coehn hat ihn als dritten Zersetzungspunkt wohl in erster Linie
deshalb beibehalten, weil nach Gräfenbergs 1 ) Untersuchungen das
Ozonpotential ebenfalls den Wert 1-67 Volt hat. Allerdings bekam
Gräfenberg diesen Wert nur an blanken Platinelektroden, an plati-
nierten lag er etwa um 0-1 Volt 2 ) niedriger, näherte sich also dem von
Coehn und Osaka an platiniertem Platin beobachteten, der beginnen
den Bildung von Sauerstoffblasen zukommenden Werte (147 Volt).
Diese auffällige Tatsache liess mich vermuten, dass in Wirklichkeit bei
der Bestimmung des Ozonpotentials nichts anderes gemessen wurde, als
das Potential, welches eine an Sauerstoff übersättigte Lösung zeigt, wenn
aus ihr der Sauerstoff in Blasenforn zu entweichen beginnt. Dieser
Wert muss also verschieden hoch liegen, je nach dem Material der von
Ozon umspülten Elektrode, und identisch sein mit dem zweiten Zer
setzungspunkte von Coehn und Osaka.
Um dieses zu verstehen, müssen wir uns zunächst klar machen,
wie nach meiner Hypothese die Ozonbildung aus wässerigen Lösungen
zu denken ist. Am nächsten liegt es wohl, intramolekulare Wasser
abspaltung aus dem primär entstandenen Wasserstofftetroxyd anzu
nehmen: n riij
o, + h 2 o.
Diese Reaktion wird naturgemäss um so leichter eintreten, je mehr
die Lösung an Wasserstofftetroxyd übersättigt ist. Ob dieser Über
sättigungszustand rein chemisch, etwa durch Zerlegung von Wasser
mittels Fluor, oder auf elektrolytischem Wege erreicht wird, ist gleich
gültig. Im letzten Falle ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ozon entsteht,
grösser, wenn die Anode aus blankem Platin, als wenn sie aus Nickel
besteht, denn je niedriger die elektromotorische Gegenkraft ist, desto
geringer ist auch die Konzentration an Wasserstofftetroxyd. Es ist also
nicht verwunderlich, dass Coehn und Osaka unter sonst gleichen Be
dingungen an einer Nickelanode kein Ozon nachweisen konnten, wäh
rend an einer Platinanode deutlich Ozon auftrat. — Ausserdem werden
bei der Ozonbildung auch andere Versuchsbedingungen, über die wir
aber noch nicht genügend unterrichtet sind, eine Rolle spielen, z. B.
’) Z. f. Elektroch. 8, 297 (1902). — Zeitschr. f. anorg. Chem. 36, 355 (1903).
*) Luther hat als Ozonpotential an blankem Platin denselben Wert wie
Gräfenberg gefunden, an blankem Iridium aber einen um 0-2 Volt niedrigem
Wert [Zeitschr. f. physik. Chemie 43, 203 (1903) und Z. f. Elektroch. 11, 832 (1905)].

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