12
nicht elektromotorisch. — Ganz ähnlich hegen die Verhältnisse, wenn
man mit einer Sauerstoffelektrode als Kathode elektrolysiert. Sobald
das Potential den Wert 1-08 Volt unterschreitet, kommen an der Ka
thode positive Hydroxylionen zur Entladung unter gleichzeitiger Bil
dung von Wasserstoffsuperoxyd aus //GO'-Ionen und 7/‘-Ionen. Die
Wahrscheinlichkeit, dass dieses unzersetzt in der Lösung bestehen bleibt,
wird um so grösser, je mehr sich die Potentialdifferenz von 1-08 Volt
nach Null verschiebt, weil mit fallendem Potential auch die Konzen
tration der positiven Hydroxylionen abnimmt, die ja Wasserstoffsuper
oxyd nach folgenden Gleichungen zerstören würden:
77' | 0077' + OH' = H'-f HOOOH
HOOOH = 77 2 0 + 0 2 .
6. Anodische Wasserzersetzung.
Etwas anders liegen die Verhältnisse bei der Elektrolyse einer
Lösung an der Anode. Wenn man nicht mit ganz besondern Vor-
sichtsmassregeln arbeitet, ist stets Sauerstoff in der Lösung enthalten.
Enthält eine solche Lösung sonst keine unterhalb 1-08 Volt entladbare
Ionen, so werden bis zu diesem Punkte ausschliesslich die Ionen des
Wasserstofftrioxyds den Transport der Elektrizität bewirken. Gesetzt
den Fall, wir elektrolysierten eine Lösung, welche nur Spuren von
Sauerstoff enthält, mit einem anodischen Potential, sagen wir von 0-8
Volt, so würden so lange 007/'-Ionen entladen werden, bis die Lösung
an Sauerstoff so weit gesättigt ist, dass die elektromotorische Kraft,
welche sie dem Stromdurchgang entgegensetzt, 0-8 Volt beträgt. Sobald
dieser Wert erreicht ist, hört der Strom auf zu fliessen; abgesehen von
Restströmen 1 ), die dadurch zustande kommen, dass von dem an der
Anode entwickelten Sauerstoff, welcher zur Kathode diffundiert und
dort auf dieselbe Weise, wie ich für die Knallgaskette angegeben habe,
verbraucht wird. Die Restströme sind dauernd, weil anodische Sauer
stoffentwicklung und kathodischer Sauerstoffverbrauch gleich gross sind,
und weil jede Änderung in der Konzentration des gelösten Sauerstoffs
sich durch Diffusion wieder ausgleicht.
Bei der anodis'chen Entladung von OOII'-Ionen entsteht primär
Wasserstofftetroxyd, während die positiven Hydroxylionen, welche da-
*) Über Restströme siehe Richarz und Lonnes, Zeitschr. f. physik. Chemie
20, 145 (1896). — Bigelow, Zeitschr. f. physik. Chemie 47, 241 (1904\ Ref. —
Whitney, Zeitschr. f. physik. Chemie 47,241 (1904), Ref.—Nernst u.Merriam,
Zeitschr. f. physik. Chemie 53,235 (1905). — Weigert, Z. f. Elektroch. 12, 377 (1906).

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.