Full text: Beiträge zur Kenntnis der Autoxydationsvorgänge

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Er vermag beide Ionenarten des Wasserstofftrioxyds zu bilden. 
Bei Autoxydationen ohne Gegenwart eines Akzeptors wird also, gleich 
gültig, ob die OH'-Ionen oder die 0OH’-Ionen das oxydierende Agens 
sind, aus dem intermediär entstandenen Wasserstoffsuperoxyd die ver 
brauchte Ionenart stets neu gebildet und kann an der Oxydation mit 
teilnehmen. Diesen Fall hat Armstrong 1 ) in der vorhin zitierten Ab 
handlung ebenfalls vorgesehen. Er sagt darüber: „It is scarcely neces- 
sary to point out what would be the fate of hydrogen peroxide if for- 
med in the manner supposed: in part at least, it would undergo 
decomposition by heat but it might also act in part as depolariser: 
H 2 | OH, | 0 2 H 2 = H 2 0 1 H 2 0 | H 2 0 
Die Dissociationsgleichungen des Wasserstoffsuperoxyds drücken sehr 
gut seine Doppelnatur als Oxydations- und als Reduktionsmittel aus; als 
Oxydationsmittel, weil es beide Ionen, OH' und OOH\ auf welche sich 
alle Oxydationsvorgänge zurückführen lassen, liefern kann, als Reduk 
tionsmittel, weil die 0OH’-Ionen mit OH -Ionen nach HO' -f- OOH 
= H 2 O s das nur in geringer Konzentration beständige, sonst nach 
H, 0 8 = TL, 0 -f- 0 2 zerfallende Wasserstofftrioxyd zu bilden vermögen. 
Diese Reaktion tritt, da OH'- und OOH’-Ionen gleichzeitig in 
Wasserstoffsuperoxydlösung enthalten sind, an und für sich schon ein, 
wenn auch langsam; schneller verläuft sie bei Gegenwart von Oxy 
dationsmitteln, die stärker sind als Wasserstoffsuperoxyd, bei denen die 
Konzentration an positiven Hydroxylionen also grösser ist als bei diesem. 
Andererseits muss sich in Lösungen von Oxydationsmitteln stets Wasser 
stoffsuperoxyd bilden nach einer der folgenden Gleichungen, je nach 
dem, ob die oxydierenden Eigenschaften auf der Fähigkeit, 0IT-Ionen 
zu liefern, beruhen, oder ob sie durch OOH'-Ionen bedingt sind: 
HO' + OH’ = HOOH HOO' + H‘ = HOOH. 
In dieser intermediären Bildung von Wasserstoffsuperoxyd muss 
man meines Erachtens den Grund suchen für die bekannte Veränder 
lichkeit des Titers von Permanganatlösungen, die man früher der Ein 
wirkung von Staub zugeschrieben hat, als deren Ursache aber kürzlich 
schon von anderer Seite 2 ) der freiwillige Zerfall des Permanganats unter 
Sauerstoffentwicklung angegeben wurde. 
*) Dass Armstrong keinen wesentlichen Unterschied annimmt zwischen Ver 
brennungen bei hoher und solchen bei niedriger Temperatur, geht aus der folgenden 
Äusserung hervor: „There is little reason to suppose that changes take place at 
high temperatures, in rapid combustions, in ways very different from those in 
which they occur at lower temperatures.“ 
*) Skrabal und Preiss, Wiener Monatshefte 27, 536 (1906).
	        

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