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sätze von in grösserer Konzentration giftigen Salzen, wie z. B.
Kupfersulfat und Sublimat, in einer Menge von 0,0005 g auf 1 Liter,
d. h. in Lösungen von 1 : 2 000 000 die Milchsäurebildung befördern.
Gestützt auf diese von den verschiedensten Seiten in voller Un
abhängigkeit von einander erhobenen Befunde vermag die schon
früher von mir gegebene Theorie der Quecksilberwirkung eine etwas
präzisere Gestaltung zu gewinnen. Wir dürfen annehmen, dass auch
im menschlichen Körper bei dem einen oder dem anderen Ferment
prozess ähnliche Beeinflussungen durch die therapeutischen Queck
sübergaben zustande kommen können, so dass das Gebiet der durch
das Quecksilber und seine Verbindungen aktivierten Reaktionen sich
nicht allein auf die von ihm direkt katalysierbaren Vorgänge be
schränkt, sondern daneben, vielleicht aber auch vornehmlich eine
mehr oder minder grosse Gruppe von fermentativ bedingten Pro
zessen komplizierterer Natur betrifft. Besonders aber sind diese
Beobachtungen geeignet, uns das Verständnis für die pharmakolo
gischen Wirkungen des Quecksilbers anzubahnen. Die Erscheinungen
der Hypersalivation, der gesteigerten Darmtätigkeit, der Diurese
lassen sich zwanglos als Folgezustände einer Intraorgankatalyse oder
einer aktivierenden Beeinflussung physiologischer fermentativer Pro
zesse betrachten; sie erscheinen als der Ausdruck einer künstlichen
Steigerung der Zellreaktionen, und es wird verständlich, dass diese
Funktionserhöhung sich in erster Linie an den Orten bemerkbar
macht wo, wie in der Niere und dem Intestinaltraktus, bei dem
Vorgang der Quecksilberausscheidung eine Anhäufung des Metalles
besonders leicht stattfindet. — Auch die bekannte günstige Wir
kung kleiner Calomelgaben bei enteritischen Prozessen, speziell sol
chen der kleinen Kinder, verdient von diesen Gesichtspunkten aus
betrachtet zu werden.
In analoger Weise könnte man versucht sein, das Auftreten
der toxischen ^Erscheinung als eine Folge der katalytischen Fähig
keit des Quecksilbers anzusehen. Wie die mässige katalytische
Stoffwechselerhöhung eine gesteigerte Funktion bedingt, so könnte
die übermässige Anregung der Zellreaktionen zum Reizzustand, zur
Hyperfunktion, und schliesslich zum Zelltod, zur Nekrose, führen.
So sehr auch eine derartige Anschauung dem Symptomengang der
Quecksübervergiftung z. B. im Munde der Aufeinanderfolge von
Hypersalivation, Stomatitis catarrhalis, Stomatitis ulcerosa, Kiefer
nekrose zu entsprechen scheint, so ist doch diese Art der Deutung
durch das Ergebnis der vorstehenden Versuche unwahrscheinlich

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