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mit ausgedehnter Nekrose einhergehen, so dass es nahe liegt, hier 
Störungen in dem normalen Ablauf der für alles Organische so 
wesentlichen fermentativ-katalytischen Vorgänge zu vermuten. Worin 
diese im einzelnen bestehen, speziell welche Reaktionen des Zell 
lebens von ihnen betroffen sind, dies zu beantworten, kann bei dem 
jetzigen Stand unserer Kenntnisse nicht erwartet werden. Einen 
gewissen Einblick in die Art der Stoffwechselhemmung scheint mir 
jedoch das Verhalten des Blutes zu bieten. Denn hier, wo in dem 
Hämoglobin der älteste aller bekannten Katalysatoren gegeben ist, 
ist die Störung nachweislich eine häufige und oft eine excessive: 
Hyphämoglobinämien mittleren und auch höheren Grades sind, wie 
bekannt, bei unbehandelter Lues die Regel. Wo aber derartige 
Störungen in dem Chemismus der Zellreaktionen vorliegen, da muss 
theoretisch betrachtet die katalytische Fähigkeit des Quecksilbers 
als ein geeignetes Mittel erscheinen, um im Blut und Gewebe die 
erforderlichen Oxydierungen und Reduzierungen wieder in den rech 
ten Gang zu setzen. Für diese Aufgabe ist das Quecksilber, dessen 
katalytische Fähigkeiten noch dazu durch zahlreiche sich auch im 
Körper findende Substanzen (s. o. Schlagdenhauffen, Schaer) 
aktiviert werden können, den beiden anderen medikamentösen Me 
tallen fraglos überlegen. Das Eisen hat den Nachteil, im Blut resp. 
in der Leber und Milz durch eigenartige vitale Regulierungsvor 
gänge gefangen gehalten zu werden und das Silber, welchem an 
scheinend nur in der kolloidalen Metallform eine allgemeinere kata 
lytische Bedeutung zukommt, ist aus Gründen der gehinderten Dif 
fusion zu einer Wirkung auf den Gesamtorganismus weniger be 
fähigt, auch droht hier bei dauernder Anwendung die Argyrie. Der 
artige Beschränkungen haften dem Quecksilber nicht an. Ausser 
dem pflegt es bei seiner häufigsten Applikationsart, der Schmier 
kur, dank seiner physikalischen Eigenart, in einer Weise inkorpo 
riert zu werden, die eine sehr starke Oberflächenentfaltung und da 
mit, vorausgesetzt, dass diese im Körper erhalten bleibt (s. o.), eine 
energische katalytische Wirkung bedingt. Diese Auffassung der 
Quecksilberwirkung lässt sich, namentlich auf Grund der Arbeiten 
Stassanos ') (1905; aus dem physiologischen Institut der Sorbonne) 
noch in gewisser Richtung bestimmter gestalten. Stassano, der 
neben den bereits erwähnten Quecksilberkatalysen rein chemischer 
1) Compt. rend. Soc. Biol. 58, 891: Pouvoir catalytique du mercure. 58, 
893: Action activante et retardante du mercure sur les reductions chimiques 
et diastasiques.
	        

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