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geführt. Ich kann nur auf Grund einiger orientierender Versuche
anführen, dass die katalytische Wirkung des Hyrgols auf die Oxy
dation der Guajactinktur durch ozonisiertes Terpentinöl noch bis zu
Verdünnungen von 1 : 100 000 dem Auge sichtbar zu machen ist.
Es darf aber als sicher gelten, dass hiemit der Schwellenwert der
merkbaren katalytischen Wirksamkeit nicht erreicht ist, (Vergleiche
besonders die unten stehenden Beobachtungen über die Einwirkung
des Sublimats auf Fermentprozesse!)
Eine Schwierigkeit für die Annahme einer bestimmten Erklä
rungsart für die Vorgänge im Organismus könnte darin gesehen
werden, dass wir über die Form, in der das Quecksilber sich im
Körper befindet und in der es in Wirksamkeit tritt, nicht orientiert
sind. Aber ich glaube, dass diesen Fragen für eine prinzipielle
Entscheidung vorerst nur eine nebensächliche Bedeutung zukommt,
da die Befähigung zu katalytischen Wirkungen sowohl den Queck-
silberalbuminaten wie den Quecksilbersalzen als wie schliesslich auch
dem Metall selber eigen ist. Mag auch im allgemeinen die Voitsche
Annahme, dass sich das Quecksilber an Albuminat gebunden im
Körper befindet, zutreffend sein, so halte ich es doch auf der an
deren Seite für möglich, dass auch im Körper eine reine Metall
katalyse zustande kommen kann. Ist es doch durch Sektionsbe
funde festgestellt, dass nach intramuskulären Injektionen aus depo
niertem Kalomelbrei blanke Kügelchen regulinischen Quecksilbers
entstanden waren, eine Umwandlung, welche anscheinend einer Be
obachtung von Soave 1 ), der aus Kalomeisalbe durch Zusatz von
Blut, Muskel, Leber und anderen Organsubstanzen sich freies Queck
silber dissoziieren sah, entspricht. Zudem besitzt nach den neueren
Untersuchungen dieses Metall seiner hohen Dampftension entspre
chend eine bei 40° schon nicht mehr geringe direkte Löslichkeit im
Wasser 1 2 ). Unabhängig von der Frage nach der im Körper wirk
sam werdenden Bindungsform des Quecksilbers kann daher die Un
tersuchung 'darüber geführt werden, ob die Berücksichtigung der
katalytischen Fähigkeit dieses Metalles die Beurteilung der thera
peutischen Wirkungen zu fördern vermag.
In all den mannigfachen Symptomen der Lues scheint mir ein
und derselbe Grundzug vorzuherrschen. Es sind Krankheitsprozesse,
die sehr torpide und wenig schmerzhaft verlaufen, die fast immer
mit sichtbaren Zeichen regressiver Stoffwechselveränderungen, oft
1) Annali die Farmacoter 1900. p. 825.
2) cf. Ostwald, Grundlinien der anorganischen Chemie 1904, p. 677.

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