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Von einer Desinfektionswirkung der Quecksilbersalze im Körper,
wie sie vereinzelt zur Erklärung der Quecksilbertherapie angenom
men worden ist, kann daher nicht wohl die Rede sein. In beson
ders klarer Weise ergibt sich die Unabhängigkeit der antiluetischen
Wirkung von der desinfizierenden aus den Untersuchungen, welche
Krückmann 1 ) über die Heilung luetischer Bulbusaffektionen,
(speziell solcher der Iris) angestellt hat. Krückmann konnte
zunächst zeigen, dass sich aus Sublaminlösungen auf kataphoreti
schem Wege, allerdings unter starker Schädigung des Auges, nach
weisbare Spuren Quecksilbers auch in die tieferen Schichten des
Zellgewebes (nachgewiesen im Kammerwasser und Glaskörper) hin
einbringen lassen. In einer sehr abgeschwächten Form, bei der
eine Schädigung des Auges nicht mehr zu befürchten stand, wurde
sodann diese Applikationsart zu therapeutischen Zwecken verwandt.
Die minimalen, längst nicht mehr analysierbaren Anteile, welche
aus 1 ccm 3 °/„o Sublaminlösung durch Anwendung einer Strom
stärke von 0,8 bis 1,0 Milliampere in ca. 25 Minuten in den kata-
phoresierten Bulbus hineingelangten, erwiesen sich als genügend,
um ohne gleichzeitige Allgemeinbehandlung in wenigen Tagen eine
Heilung der luetischen Intrabulbäratfektionen herbeizuführen. Bei
allen sonstigen infektiösen Prozessen des Auges blieb jedoch jede
günstige Beeinflussung aus. Auf eine Gewebsdesinfektmn kann
daher die Heilwirkung nicht bezogen werden. Um die desinfizie-
, , Palfmio- gelangen zu lassen, ist eine ganz we-
rende Wirkung zur Geltung g«‘ b ’ . ,
sentlich höhere Konzentration notwendig; versucht man sie herbei
zuführen , so wird, wie die Versuche an Tieraugen ergaben, das
Augengewebe stets gleichzeitig getötet.
Der Umstand, dass die therapeutische Wirkung des Quecksil
bers an eine so ganz ausserordentlich niedrige Konzentration ge
bunden ist, scheint mir in hohem Grade dafür zu sprechen, dass
wir es auch hier zu einem guten Teile mit katalytischen Erschei
nungen zu tun haben. Denn für diese Art Vorgänge ist gerade
das "Missverhältnis zwischen der Menge der Zusatzsubstanz und der
Grösse der erzielten Wirkung charakteristisch. Katalytische Wir
kungen bei einer Verdünnung des Katalysators auf 1 : 1000 000
sind? wie namentlich die Versuche Bredigs und Titoffs ge
lehrt haben, nichts Ungewöhnliches. Zwar sind derartige Grenz
bestimmungen für einfache Quecksilberkatalysen noch nicht durch
1) Zeitschr. f. Augenheilkunde 11, 13—82.

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