79 
Von einer Desinfektionswirkung der Quecksilbersalze im Körper, 
wie sie vereinzelt zur Erklärung der Quecksilbertherapie angenom 
men worden ist, kann daher nicht wohl die Rede sein. In beson 
ders klarer Weise ergibt sich die Unabhängigkeit der antiluetischen 
Wirkung von der desinfizierenden aus den Untersuchungen, welche 
Krückmann 1 ) über die Heilung luetischer Bulbusaffektionen, 
(speziell solcher der Iris) angestellt hat. Krückmann konnte 
zunächst zeigen, dass sich aus Sublaminlösungen auf kataphoreti 
schem Wege, allerdings unter starker Schädigung des Auges, nach 
weisbare Spuren Quecksilbers auch in die tieferen Schichten des 
Zellgewebes (nachgewiesen im Kammerwasser und Glaskörper) hin 
einbringen lassen. In einer sehr abgeschwächten Form, bei der 
eine Schädigung des Auges nicht mehr zu befürchten stand, wurde 
sodann diese Applikationsart zu therapeutischen Zwecken verwandt. 
Die minimalen, längst nicht mehr analysierbaren Anteile, welche 
aus 1 ccm 3 °/„o Sublaminlösung durch Anwendung einer Strom 
stärke von 0,8 bis 1,0 Milliampere in ca. 25 Minuten in den kata- 
phoresierten Bulbus hineingelangten, erwiesen sich als genügend, 
um ohne gleichzeitige Allgemeinbehandlung in wenigen Tagen eine 
Heilung der luetischen Intrabulbäratfektionen herbeizuführen. Bei 
allen sonstigen infektiösen Prozessen des Auges blieb jedoch jede 
günstige Beeinflussung aus. Auf eine Gewebsdesinfektmn kann 
daher die Heilwirkung nicht bezogen werden. Um die desinfizie- 
, , Palfmio- gelangen zu lassen, ist eine ganz we- 
rende Wirkung zur Geltung g«‘ b ’ . , 
sentlich höhere Konzentration notwendig; versucht man sie herbei 
zuführen , so wird, wie die Versuche an Tieraugen ergaben, das 
Augengewebe stets gleichzeitig getötet. 
Der Umstand, dass die therapeutische Wirkung des Quecksil 
bers an eine so ganz ausserordentlich niedrige Konzentration ge 
bunden ist, scheint mir in hohem Grade dafür zu sprechen, dass 
wir es auch hier zu einem guten Teile mit katalytischen Erschei 
nungen zu tun haben. Denn für diese Art Vorgänge ist gerade 
das "Missverhältnis zwischen der Menge der Zusatzsubstanz und der 
Grösse der erzielten Wirkung charakteristisch. Katalytische Wir 
kungen bei einer Verdünnung des Katalysators auf 1 : 1000 000 
sind? wie namentlich die Versuche Bredigs und Titoffs ge 
lehrt haben, nichts Ungewöhnliches. Zwar sind derartige Grenz 
bestimmungen für einfache Quecksilberkatalysen noch nicht durch 
1) Zeitschr. f. Augenheilkunde 11, 13—82.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.