78
in dieser Richtung absieht, so liegt der Schwellenwert des therapeu
tisch wirksam werdenden Quecksilbers mit Sicherheit weit unterhalb
der Grenze der analytischen Nachweisbarkeit; denn es dürfte bereits
schwerlich gelingen, das Quecksilber analytisch zu fassen, welches von
einem Mercolinthschurz aus in den Organismus gelangt, geschweige
denn jene Spuren nachzuweisen, welche z. B. von einem mit der Ein
reibekur behandelten Patienten auf den Insassen des Nachbarbettes
übergeht. Eine zahlenmässige Mengenbestimmung ist in solchen Fällen
nicht möglich. Sicherlich sind die Werte des Quecksilbers unter derar
tigen Umständen trotz des unzweifelhaften Bestehens einer therapeuti
schen Wirkung weit geringer als wie sie der folgenden Berechnung
zu Grunde liegen. Bei der üblichen Behandlung der Lues mit Subli
matinjektionen pflegt dem Körper pro Woche etwa 0,05 g Sublimat
einverleibt zu werden 1 ). Dieses Quantum (z. B. die Injektion der
ersten Behandlungswoche) ist völlig ausreichend, um klinisch be
merkbar die Heilung anzuregen. 0,05 g Sublimat entsprechen bei
einem Körper von 75 kg unter der Voraussetzung, dass sie ganz
im Organismus verbleiben und sich dort gleichmässig verteilen, einer
Konzentration des Quecksilbersalzes von 1 : 1 500 000. Das Maxi
mum der im Körper anzunehmenden Konzentration lässt sich am
ehesten nach den Befunden der quantitativen Analyse bei Vergif
tungsfällen beurteilen. So fand Schümm 1 2 ) in einem Fall letaler
Quecksilbervergiftung:
in 100 g Niere 0,00189 g Quecksilber
• » „ Leber 0,00100 „ »
» » , Pankreas 0,00044 ,
» » » Lunge 0,00040 „ »
Der Quecksilbergehalt lag somit zwischen den Grössen 1 : 53 000
und 1 : 250 000. Da wir diese letzteren Zahlen für therapeutische
Wirkungen als nicht mehr in Betracht kommend ansehen müssen,
so scheint sich aus den beiden hier zur Berechnung eingeschlagenen
Wegen in übereinstimmender Weise zu ergeben, dass nach unge
fährer Schätzung die therapeutisch erzielte Konzentration um
1 : 1 000 000 hemm gesucht werden muss. Daneben aber steht fest,
dass auch Mengen, die weit hinter dieser Verhältniszahl zurück
stehen, noch zu ausgesprochenen therapeutischen Wirkungen be
fähigt sind.
1) cf. Münch, med. Wochenschr. 1905. Nr. 11 (v. Düring).
2) Zeitschr. f. analyt. Chemie 44, 85 (S c h u m m).

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.