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intravenös injiziert x ), so ergibt sieb im Blut (den Körper zu 78
Kilogramm mit 6 Litern Blut gerechnet) eine Konzentration von
1 : 60 000 bis 1 : 13 000, mithin ein Verdünnungsgrad, in welchem
sich im Reagenzglas mit Leichtigkeit die katalytische Sauerstoff
übertragung beobachten lässt. Die gleiche Wirkung, eine schnell
einsetzende und energische Oxydationsbeschleunigung, wird daher
auch im Blute nach stattgehabter Injektion zu erwarten sein. Von
dieser aber ist es sehr wohl denkbar, dass sie etwa vorhandenen
Toxinen die Giftigkeit zu benehmen imstande ist, da bekannter-
massen die meisten dieser Giftstoffe als leicht oxydierbare Sub
stanzen schon bei Einwirkung des atmosphärischen Sauerstoffes in
ungiftige Körper überzugehen pflegen. Es ist interessant, dass un
abhängig von der von mir gegebenen Anschauung auch Ha inbur-
ger 1 2 ) ungefähr gleichzeitig (1904) dieselbe Art der Erklärung der
Silberwirkung vermutet hat. Um zu prüfen, „ob überhaupt das
Argentum colloidale zu einer Katalyse organischer Substanzen im
stande ist“, suchte er „eine toxische Substanz, deren Menge in
leichter Weise dosiert werden konnte“. Er wählte das Stapbylo-
toxin, bei dem sich nach N e i s s e r und Wechsberg der Grad
der hämolytischen Wirkung zur quantitativen Analyse verwerten
lässt. Zwar erhielt er zunächst, als zu 2 ccm toxinhaltigen Kanin
chenserums 1 l i ccm einer 0,05 % Collargollösung zugesetzt wurden,
statt der erwarteten Verminderung der Giftwirkung eine erheblich
kräftigere hämolytische Wirkung. Später aber stellte sich heraus,
dass grössere Mengen kolloidalen Silbers die hämolytische Wirkung
des Staphylotoxins wohl herabsetzen. Er schreibt wörtlich: „Dass
hier eine katalytische Erscheinung vorliegt, kann nicht bezweifelt
werden“. In diesen Zusammenhang gehören ferner die Untersu
chungen der Frau Sieber 3 ), in denen gezeigt wurde, dass die be
schleunigte Oxydierung, wie sie z. B. von Globulinoxydasen ausge
übt wird, die Diphtherie- und Tetanustoxine zu entgiften vermag.
Es darf daher als in hohem Grade wahrscheinlich bezeichnet werden,
dass in der durch die Collargolinjektionen bedingten Oxydationsbe
schleunigung ein Moment gelegen ist, welches einer allgemeinen,
nicht spezifischen Antitoxinwirkung gleichkommt. Auch hier sei
jedoch betont, dass diese direkte chemische Wirkungsart des Coll-
argols, so wichtig sie auch scheinen mag, nur einen Teil der Ge
1) cf. Zeitschr. f. ärztliche Fortbildung 1904. Nr. 20 (Georgi).
2) Hamburger, Osmotischer Druck und Zonenlehre 1904. III. 90, 91.
3) Zeitschr. f. physiol. Chem. 1901. 32, 573.

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