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Dem Eiweiss an sich ist, wie bekannt, trotz seines kolloidalen
Zustandes, für Oxydations-Reduktionsvorgänge und auch sonst keine
katalytische Fähigkeit eigen. Wohl aber habe ich derartige Fähig
keiten an den Verbindungen des Eiweisses mit den obigen Metallen
in zum Teil ausgesprochener Weise konstatieren können.
Zu meinen ersten Versuchen nahm ich das Quecksilberalbuminat
(Merck), da dieses vor den ähnlichen Präparaten des Eisens den
Vorteil der Farblosigkeit aufwies. Wird aus Quecksilberalbuminat
unter leichtem Erwärmen eine konzentrierte wässerige Lösung be
reitet und dieser einige Tropfen Guajactinktur und Terpentinöl zu
gesetzt, so zeigt sich schon nach einigen Minuten regelmässig deut
liche Umfärbung zum Blau. Die katalytische Fähigkeit, die dem
Metall und den Metallsalzen eigen war, kehrte somit in diesem Bei
spiele auch in der entsprechenden Albuminatverbindung wieder.
Sodann habe ich meine Versuche auf die Eisen-EiweissVerbin
dungen ausgedehnt und zunächst unter den gleichen Bedingungen
das Eisenalbuminat (Merck) untersucht. Auch hier trat eine kata
lytische Beschleunigung ein; nur war die Beurteilung des Eintritts
der Bläuung bei der störenden Eigenfarbe der Eisenalbuminatlösung
derart erschwert, dass der Ausfall des Experimentes oft in Frage
gestellt erschien. Aber in einem anderen Eiseneiweisspräparat, dem
Fersan, einem Acidalbuminat, habe ich einen Stolf gefunden, wel
cher schon in sehr grosser Verdünnung, wo die Eigenfarbe nicht
mehr als störend in Betracht kommt, mit einer ähnlichen Intensität
wie das Hämoglobin die katalytische SauerstofFübertragung zu be
wirken imstande ist.
Diese Versuche (Schade 1904), welche inzwischen durch die
unten folgenden Beobachtungen Dieterichs noch einen weiteren
Ausbau erfahren haben, scheinen mir in therapeutischer Beziehung
nach zwei Richtungen hin von Interesse zu sein.
Einmal bringen sie den Nachweis, dass die Bindung der Metalle
an einen Ei weisskomplex kein Vorgang ist, der das Zustandekommen
katalytischer Wirkungen ausschliesst.
Sodann aber sind gerade diese Untersuchungen geeignet, als
Bindeglied zwischen der einfachen anorganisch bedingten Katalyse
und der sauerstoffvermittelnden Wirkung des Hämoglobins zu dienen.
Sie zeigen, dass die Einführung eines Metalles, wie z. B. des Eisens,
in die Molekülgruppe des Eiweisses dieses zu ähnlichen Effekten
befähigt, wie sie uns von den im Organismus gebildeten Oxydasen,
speziell von dem Hämoglobin, schon seit langem als fermentative

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