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Die Zahl der Stoffe, bei denen die Metalle in einer ihrer For
men zu einer Reaktionsbeschleunigung die Veranlassung werden
können, beschränkt sich keineswegs auf die genannten Farbreagen-
tien oder ihnen ähnliche Substanzen. Diese katalytische Eigenschaft
der Metalle ist vielmehr eine weit allgemeinere. So stellt z. B.
B r e d i g *) in seinen Arbeiten als durch Platin katalysierbar noch
die folgenden Reaktionen zusammen: Oxydation verdünnter Oxal
säurelösungen, Oxydation des Alkohols zu Essigsäure, Reduktion
der Nitrate und der Salpetersäure zu Nitriten und Ammoniak, Oxy
dation der schwefligen Säure zu Schwefelsäure (W i n k 1 e r sches
Kontaktverfahren), Inversion des Rohrzuckers, Oxydation einer Am
moniaklösung durch Permanganat, Zerfall der Hypochlorite in Chlo
ride und Sauerstoff, Zersetzung einer Chromchlorürlösung unter
Wasserstoffentwicklung und die Reduktion des Sublimates zu Ka-
lomel vermittelst H 2 0 2 (2HgCl 2 + H2O2 = 0 2 + 2HC1 + Hg 2 Cl 2 ) 1 2 ).
Auch für andere Metalle sind ausser den obigen Katalysen noch
für weitere Reaktionen ähnliche Wirkungen bekannt geworden. So
weit dieselben in diesem Zusammenhang interessieren, werden
sie unten bei der Besprechung der therapeutischen Wirkung des
Eisens, des Silbers und des Quecksilbers Erwähnung finden.
Viel häufiger noch als an den Metallen selbst sind
katalytische Wirkungen an ihren Salzen beobachtet. In
erster Linie sind hier die E i s e n s a 1 z e zu nennen, die nicht sowohl
wegen ihrer medizinischen Bedeutung, als auch wegen der grossen Zahl
und der Energie ihrer katalytischen Wirkungen im Vordergründe des
Interesses stehen. Zunächst sei hervorgehoben, dass auch ihnen, z. B.
dem Ferrisulfat, Ferrosulfat, Eisenchlorid, die Fähigkeit zukommt,
selbst in minimaler Menge schon erhebliche Sauerstoffübertragungen
in den oben genannten Farbreagenzgemischen hervorzurufen. Denn
ebenso wie die Metalle und das Blut bewirkt auch der Zusatz einer
Spur Eisensulfat zur Mischung von Jodkalikleister und verdünnter
Wasserstoffeuperoxydlösung momentan die sonst langsam eintretende
Bläuung. Das gleiche gilt für die Terpentinguajacprobe. Hier ge
nügt es z. B., das Eisenchlorid in einer Verdünnung von 1 : 60000,
wo von einer direkten Wirkung des Salzes auf die Guajactinktur
(d. h. beim Fehlen von Terpentin) nichts mehr bemerkbar ist, zu
zugeben, um die Blaufärbung zu erzielen. Auch für die übrigen
oben genannten Reagentien lässt sich ähnliches zeigen. Die nähere
1) Bredig, Anorgan. Fermente. 1901.
2) Zeitschr. f. physik. Chemie. 37, 57.

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