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physiologischen Wirkungen dieser Enzyme im Blut gestaltet sein
mögen, darüber lassen sich vorerst nur Vermutungen aufstellen.
Es könnte nahe liegen, mit L o e b , L i e b e r m a n n (1. c.) u. a.
daran zu denken, in der Wirkung der Hämase eine Schutzvorkeh
rung für die vorzeitige Oxydierung der im Blut zu transportierenden
Stoffe zu erblicken oder vielleicht auch, wie es J o 11 e s *) annimmt,
ihr eine die Sauerstofifabgabe aus dem Blut vermittelnde Rolle zu
zuschreiben. Aber derartigen Vermutungen betreffs der möglichen
Wirkungen der Hämase sowohl wie der Peroxydase nachzugehen,
fehlt die Grundlage, so lange als noch das zur Beantwortung solcher
Fragen erforderliche Untersuchungsmaterial aussteht.
Günstiger gestaltet sich jedoch die Betrachtung, wenn man an
gewisse pathologische Prozesse, z. B. solche infektiöser Natur denkt,
von denen man weiss, dass sie an das Blut hohe Anforderungen
oxydativer Art stellen. Ich meine alle jene Erscheinungen, denen
eine Ueberladung des Bluts mit giftigen, aber leicht oxydierbaren
Substanzen gemeinsam ist. Da von Sieber 1 2 ) die entgiftende
Wirkung der Globulinoxydasen auf Bakterientoxine (Diphtherie und
Tetanustoxin) experimentell hat nachgewiesen werden können, so
darf man annehmen, dass den Oxydasen eine Hauptrolle in dem
Kampfe zufällt. Zunächst werden vermutlich die im Blut vorhan
denen Peroxydasen, ähnlich wie sie es im Reagenzglas bei Guajac-
tinktur, bei Jodkali, bei Benzidin, bei Pyrogallol, Naphthol, Tetra
base, Ursol und manchen anderen Stoffen vermögen, die sich häu
fenden Toxine durch Oxydation unschädlich zu machen suchen. Für
diese Aufgabe muss ihnen aber in den Leukozyten, welche, wie wir
oben sahen, vermittelst ihrer weit kräftigeren Oxygenasen auch ohne
eine peroxydartige Quelle den gleichen Oxydationseffekt erreichen
können, eine wirksame Hilfe erwachsen. Es ist dies meines Er
achtens ein nicht unwesentlicher Gesichtspunkt, der vielleicht in Er
gänzung unserer sonstigen Kenntnisse über die vielseitigen Wir
kungsarten der Leukozyten zur Klärung der interessanten und noch
so dunklen Frage der Leukozytose beizutragen vermöchte. Denn
nach dem bisher Vorliegenden scheint die Aussicht begründet, durch
Färbemethoden Unterschiede der Oxydationskraft einzelner Gewebs-
teile (verschiedenartiges Verhalten der Zellteile bei den einzelnen
Arten der Leukozyten gegenüber der Guajactinktur, s. K. Bran
1) J o 11 e s, Katalysatoren vom physiol.-chem. Standpunkt. 1905. p. 14,15.
2) Zeitschr. f. pkysiol. Chemie. 32, 573.

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