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lytischen und enzymatischen Vorgänge an den ihnen beiden in durchaus
ähnlicher Weise eigenen Zuständen von „falschem Gleichgewicht“.
An einem Beispiel seien kurz die hier in Betracht kommenden Mo
mente erläutert: Es ist eine bekannte Beobachtung, dass manche
Enzymwirkungen, wie u. a. diejenige des Emulsins auf Amygdalin,
trotz des anfänglichen glatten Ganges der Reaktion zu einer Zeit
Halt machen, wo die chemische Umlagerung, im Falle der Amyg
dalinzersetzung dessen Spaltung noch bei weitem nicht beendet ist.
Tammann 1 ) hat nun diese Frage vom Standpunkt der Reaktions
kinetik aus untersucht. Er konnte zeigen, dass jenes Aufhören der
Fermentwirkung dem Zustand eines „falschen Gleichgewichts“ ent
sprach. Denn für diesen Stillstand der Fermentreaktion kommen
die gleichen Momente in Betracht wie sie bei den „falschen Gleich
gewichtszuständen“ rein katalytischer Prozesse durch frühere Unter
suchungen bekannt geworden waren. Es ergab sich, dass eine Tem
peraturerhöhung die Lage dieses scheinbaren Endzustandes verschob,
dass eine Vermehrung der Enzymmenge die Zersetzung bis zu einer
weiteren Stufe fortschreiten liess, dass das Ausäthern der Spalt
produkte das System durch erneute Ermöglichung der Zersetzung
seiner wahren Gleichgewichtslage näher brachte, und dass derselbe
Erfolg durch einfache Verdünnung der Lösung zu erreichen war,
schliesslich dass ein beim Beginn der Reaktion gemachter Zusatz der
Spaltprodukte einen noch mehr verfrühten Stillstand der Ferment
reaktion zur Folge hatte.
Von besonderer Wichtigkeit erscheint es mir nun, zu versuchen,
das noch so dunkle Gebiet der Oxydasenlehre vom physikalisch
chemischen Standpunkt aus einer sichtenden Bearbeitung zu unter
ziehen. Es ist dies ein Feld, auf dem sich zurzeit noch die ver
schiedenartigsten und widersprechendsten Ansichten kreuzen. Wäh
rend die einen überhaupt die Existenz eigentlicher oxydationsver
mittelnder Enzyme leugnen, und andere ihre biologische Bedeutung
für nur gering anschlagen, findet sich eine nicht mehr kleine, an
scheinend ständig steigende Zahl von Autoren, welche in den Oxy-
dasen eins der verbreitetsten und wichtigsten Hilfsmittel erblicken,
die dem Organismus zur Bewältigung seiner StofFwechselaufgaben
zur Verfügung stehen. So schreibt H a m b u r g e r in seiner schon
erwähnten Ionenlehre (II p. 465): „Es unserliegt keinem Zweifel,
dass die ausserordentliche Geschwindigkeit, mit welcher, hei einer
1) Zeitschr. f. physik. Chem. 3. 25. Zeitschr. f. physiol. Chem. 16, 271.

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