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mischen Potentialgefälle vor sich geht, nicht berührt. Die Zurückfüh
rung der Katalyse auf eine durch den Katalysator vermittelte Zwischen
reaktion, so wichtig und so interessant sie auch an sich ist, hat für diese
Frage nur den Wert einer empirischen Feststellung, welche besagt,
dass bei einer Reaktion das Potential auf einem bestimmten Umwege
schneller absinkt als vermittelst des sonst eintretenden Vorganges.
Ueber die Momente, welche die Geschwindigkeit des Ausgleiches
zwischen chemischen Kräften beeinflussen, gibt diese „Erklärung“
keine Auskunft. Und doch muss als sicher gelten, dass die ganze
Frage der Katalyse erst zusammen mit der gesetzmässigen Fest
legung aller für den zeitlichen Ablauf der chemischen Reaktionen
massgebenden Faktoren, die zur Zeit noch so gut wie unbekannt
sind, ihren Abschluss finden kann.
Will man sich die Momente, welche einen langsamen Reaktions
verlauf bedingen, unter dem Bilde eines Widerstands vorstellen, so
kann man mit Nernst 1 ) und anderen die Reaktionsgeschwindigkeit
g = 61 ^ S< f ie , Er \ ergie formulieren. Wenn auch mit dem Be-
” Widerstand
griff des „Widerstands“ an sich nichts gewonnen ist, so zeigt
doch diese Definition sehr deutlich, dass die Erscheinungen der po
sitiven Katalyse, welche nicht in einer Veränderung der chemischen
Energie beruhen, vielmehr als Beeinflussungen der die Reaktion
hemmenden Widerstände zu betrachten sind, einem Gebiet angehören,
auf dem der Forschung noch so gut wie alle Grundlagen fehlen.
Es kann daher die Unsicherheit, die den Deutungsversuchen der
Katalyse zur Zeit anhaftet, nur als die notwendige Folge der hier
bestehenden Lücke erscheinen. Mit der hierdurch geforderten Reserve
sei aber darauf verwiesen, dass für die Erklärung jener Reaktions
beschleunigungen neben der rein chemischen Auffassung der Zwischen
reaktionen vor allem noch die Zustandsbeeinflussungen durch das
umgebende Medium, ferner die elektrochemischen Verhältnisse und
bei heterogenen Systemen in hohem Masse die Oberflächenwirkungen
in der grossen Mannigfaltigkeit ihrer Aeusserungsformen zu berück
sichtigen sind. Dieser vielseitigen Beeinflussungsmöglichkeit ent
spricht es, wenn man aus praktischen Gründen neben der „Ueber-
tragungskatalyse“ noch „Mediumkatalysen“, „Elektrizitätskatalysen“ 1 2 )
1) cf. Nernst, Theoretische Chemie 1903. p. 558.
2) Vergleiche auch die Beobachtungen, welche ich bei der Katalyse der
Metalle für die Reaktionen zwischen Guajactinktur resp. Naphthol und Ter
pentinöl, resp. Hs0-2 über das Auftreten von elektrostatischen Ladungen ge-

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