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bildet sich zunächst die unbeständige Verbindung K2O, KO, K0 2
oder eine sonstige labile Oxydationsstufe des Katalysators, diese zer
fällt sodann eben wegen ihrer Unbeständigkeit sofort wieder in die
ursprüngliche Form K, wobei der durch diesen Zerfall frei gewor
dene „aktivierte“ Sauerstoff die Substanz A zu AO oxydiert. Eine
diesem Schema entsprechende Erklärung wird nun für eine sehr
grosse Zahl katalytischer Reaktionen als wahrscheinlich angenommen.
Für einige wenige Fälle hat diese Art des Zustandekommens der
Katalyse durch die quantitativ zeitliche Verfolgung des Reaktions
verlaufes bewiesen werden können; für die überwiegend grosse Mehr
zahl aller jener Reaktionen, welche gewöhnlich diesem Gebiet ein
geordnet werden, steht aher der Nachweis noch aus. Denn es ge
nügt nach 0 s t w a 1 d zum Beweis jener Erklärung nicht die theo
retische Möglichkeit einer intermediären Reaktion, auch nicht die
Auffindung eines als Zwischenkörper anzusprechenden Stoffes: es
muss vielmehr durch Messung festgestellt sein, dass die Summe der
den vermuteten Teilreaktionen zukommenden Ablaufszeiten kleiner
ist als die Zeit, welche die direkte Reaktion benötigt. Wie un
sicher auf diesem Gebiet in einem speziellen Fall Analogieschlüsse
sein können, zeigt die Untersuchung der katalytischen Beschleuni
gung der Reaktion 2JH -f- H 2 0 2 = 2H 2 0 + J 2 durch Säuren '). Als
solche wurden verwandt: Essigsäure, Ameisensäure, Schwefelsäure,
Salzsäure. Bei allen diesen handelte es sich, da der Reaktionsablauf
durchaus dem gleichen Zeitgesetz gehorchte wie die unbeeinflusste
Reaktion, um eine in dem 0 s t w a 1 d sehen Sinne rein katalytische
Beeinflussung durch die H-Ionen. Als aber die Molybd ansäure als
Katalysator zur Verwendung kam, fand sich der Reaktionsverlauf
geändert; die jetzt zur Beobachtung gelangende Verlaufskurve ent
sprach einem Vorgang, der über eine Zwischenreaktion, in diesem
Fall vermutlich die Permolybdansäure, verlief.
Vor der Hand besteht daher in der Abgrenzung des Umfanges
des Gebiets der Uebertragungskatalysen eine grosse Unsicherheit.
Allem Anscheine nach sind die Grenzen sehr weite. Aber selbst nach
der Ansicht ihrer Vertreter dürfte diese Art der „Erklärung“ kaum
jemals das ganze Gebiet der Katalyse umfassen.
Vor allem wird das Grundproblem der Reaktionskinetik, die Frage,
aus welcher Ursache der zeitliche Ablauf eines chemischen Vorganges
nicht proportional der treibenden Kraft, nicht proportional dem che-
1) Zeitschr. f. physik. Chemie. 27, 513.

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