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nur ein kleiner Bruchteil des zur Zeit vorliegenden Beobachtungs
materials in dieser Darstellung Platz finden können, aber immerhin
lässt auch er schon erkennen, dass ganz allgemein in den Kataly
satoren Mittel gegeben sind, durch welche man unter Umständen
die Geschwindigkeit chemischer Reaktionen einem bestimmten Be
dürfnis entsprechend zu steigern vermag.
Immer aber kann es sich nur um Reaktionen handeln, deren
Eintritt mit einer Abnahme der freien Energie des reagierenden
Systems verbunden ist. Der umgekehrte Vorgang ist ausgeschlossen,
da er nur durch Arbeitsleistung erreicht werden kann, eine solche
jedoch in der einfachen Anwesenheit des Katalysators nicht gegeben
ist. Sinkt aber ein chemisches System von einer höheren Stufe
seines Potentials zu einer niederen herab, so besteht zwischen der
Grösse des Energieabfalls und der Geschwindigkeit, mit welcher
dieser erfolgt, keine innere Beziehung: Mag sie langsam oder schnell
vor sich gehen, die Summe der freiwerdenden Kräfte ist eine und
dieselbe. Noch ein weiteres folgt aus der Energetik. Ein Kataly
sator kann nicht imstande sein, Vorgänge hervorzurufen, die nicht
auch für sich freiwillig, wenn auch nur mit sehr geringer Geschwin
digkeit erfolgen könnten. Zwar scheint zunächst in einzelnen Fällen
die Beobachtung das Gegenteil zu ergeben, z. B. für die Vereini
gung des Sauerstoffes und des Wasserstoffes, welche bei gewöhn
licher Temperatur nicht beobachtet wird, trotzdem aber unter der
Einwirkung des Platinmohrs als Katalysator mit explosionsartiger
Heftigkeit vor sich geht. Aber auch für derartige Fälle hat es sich
zeigen lassen, dass es sich beim Zusatz des Katalysators nicht um
eine neue Reaktion handelt, dass vielmehr auch ohne ihn der gleiche
Vorgang in einem ganz geringen Grade vor sich geht.
Eine allgemeine Erklärung dieser eigenartigen Erscheinung der
Katalyse zu geben, ist zur Zeit nicht möglich. Nur für eine Gruppe
dieser Vorgänge ist es gelungen, sie durch Auffindung sehr labiler
Zwischenstufen dem Verständnis näher zu bringen. Man pflegt diese
Art der Katalysen daher zumeist von dem eigentlichen Gebiet ge
trennt zu behandeln und sie als „Uebertragungskatalyse“
(0 s t w a 1 d) den anderen gegenüber zu stellen. Sie sind dadurch
charakterisiert, dass die Anwesenheit des Katalysators zur Bildung
einer Zwischenverbindung, aus welcher heraus das Endprodukt der
Reaktion leichter zu entstehen vermag, die Veranlassung wird. Die Sub
stanz K möge als Katalysator bei der Oxydierung der Substanz A
dienen; entspricht der Vorgang einer Uebertragungskatalyse, so

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